Logo der Fernsehlotterie
Teilen

Da staunst Du Bauklötze!

Mit LEGO-Steinen lassen sich nicht nur Häuser, Flughäfen oder Fußballstadien ganz wunderbar aufbauen – sondern auch Freundschaften. Das zeigen die LEGO-Bautage im Mehrgenerationenhaus Haiterbach im Nordschwarzwald: Im Rahmen des Programms "Werkstatt - Kreativ - Integrativ - Haiterbach" erhalten Kindern und Jugendliche mit unterschiedlichen sozialen Hintergründen durch handwerkliche Arbeit mehr Selbstbewusstsein und Gemeinschaftsgefühl.

Sirenen heulen auf, Blaulicht durchleuchtet die Stadt. „Eine Bank wurde gerade überfallen“, ruft Jürgen Kraft. Kein Grund zur Panik. Denn erst vor ein paar Sekunden wurde die neue Polizeistation mit Gefängnis fertiggestellt und eingeweiht. „Die Polizeistation zu bauen, war gar nicht so einfach“, sagt Baumeister Noah (9). „Wir mussten beim Gefängnis jedes Gitter einzeln bauen.“ Vielleicht kommen die Gauner aber auch in den Kerker der Ritterburg? Oder sie werden mit dem Piratenschiff auf eine einsame Insel geschippert? In einer selbst gebauten Stadt ist das möglich – so wie in LEGO-City.

Drei Jungs schauen sich ein LEGO-Gebäude an. Neben ihnen steht außerdem ein LEGO-Leuchtturm.

250.000 kleine Plastiksteine werden bei den LEGO-Bautagen von 53 kleinen Baumeistern zu einer Stadt verarbeitet. An jedem Tisch im Gemeindesaal der Evangelischen Gemeinde Haiterbach rascheln LEGO-Steine, Kinder wühlen in Kisten und suchen sich ihre Bauteile zusammen. Der ernannte Stadtbaumeister von LEGO-City, Jürgen Kraft, stellt kurz vor dem Mittagessen die Neuerungen vor. Vollkonzentriert hören seine kleinen Architekten, Ingenieure und Baumeister zu, was sie an einem Vormittag in dem Gemeindehaus in der Nähe von Stuttgart erschaffen haben.

Blick von oben auf einen Tisch, dort liegen sehr viele LEGO-Steine verstreut und auch in Plastikbehältern herum. Vier Jungen bauen mit den Steinen zwei Gebäude.
Blick von oben: Ein blonder junge lehnt über Holzkästen, in denen verschiedene LEGO-Steine sortiert gelagert sind. Er greift in eines der Kästchen.

Weg vom Smartphone – und kreativ werden!

Vor etwa einem Jahr hat das Mehrgenerationenhaus der kleinen Stadt im Nordschwarzwald das Programm „Werkstatt- Kreativ – Integrativ- Haiterbach (KiHa) gestartet. Dabei möchte es Kinder und Jugendliche durch handwerkliche Arbeit zusammen bringen – ganz egal, welchen sozialen Hintergrund sie haben. „Uns ist wichtig, dass die Kinder was mit ihren Händen machen und Erfolgserlebnisse haben“, sagt Stefanie Hälker, Projektleiterin der KiHa. Die Kinder sollen weg vom schulischen und gesellschaftlichen Leistungsdruck. „Auch mal weg vom Smartphone“, sagt Hälker. Neben dem Motorischen und Handwerklichen, wird so auch das Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt.

Oft bekommen sozial schwächere Familien oder solche mit Flucht- oder Migrationshintergrund keine Möglichkeit, Teil der Gesellschaft zu werden.
Gerlinde Unger, Leiterin Mehrgenerationenhaus Haiterbach
Thumbnail

Reportage: Turnbeutel nähen in Haiterbach

Zum Artikel

Das Mehrgenerationenhaus organisiert jedes zweite Wochenende einen KiHa-Workshop, bei dem Jung und Alt zusammen kreativ werden können. Egal ob Nähen, Handwerken, Löten, Basteln, Tanzen oder Backen. Dieses Wochenende sind es die LEGO-Bautage für Kinder zwischen 8 und 10 Jahren. Die zehnjährige Lena (10) war vergangenes Jahr schon beim Turnbeutelnähen dabei. „Die Krone auf meinen Turnbeutel habe ich selbst drauf genäht“, sagt sie und strahlt ganz stolz.  Auch der zehnjährige Badiar kommt immer wieder gerne zu den kreativen Workshops des Mehrgenerationenhauses. „LEGO bauen fällt mir nicht schwer“, erklärt der Drittklässler, während er kleine Steinchen auf eine Platte setzt. Er baut gerade an einem Flugzeug für den Flughafen. Von dem Angebot der integrativen kreativen Werkstatt hat Badiar von Gerlinde Unger, Leiterin des Mehrgenerationenhauses, erfahren. Sie habe seiner Familie geholfen, als er vor drei Jahren aus dem Iran nach Deutschland kam.

Eine LEGO-Stadt ist auf dem Bild zu sehen, im Hintergrund ein Junge, der sich darüber beugt und noch etwas baut. Weiter hinten sieht man Tische, Stühle und andere Personen.

Die Integration von Familien mit Flucht- und Migrationshintergrund ist dem MGH ein wichtiges Anliegen. „Oft bekommen die Familien keine Möglichkeit, Teil der Gesellschaft zu werden“, sagt Gerlinde Unger – vor allem im ländlichen Raum. Beim Spielen, Handwerken, und gemeinsam kreativ sein, spiele Sprache und Herkunft keine Rolle. „Wir achten darauf, dass etwa ein Drittel der Kinder aus sozial schwächeren und Familien mit Flucht- oder Migrationshintergrund kommen.“ Und die Integration gelingt: „Es haben sich so viele Kinder angemeldet, dass der Platz in unserem Mehrgenerationenhaus gar nicht ausgereicht hätte“, sagt Gerlinde Unger. Um LEGO-City zu errichten, hat sich daher das MGH mit der Gemeinde zusammengetan, denn im Pregizerhaus ist Platz genug für alle.

Kinder sitzen auf dem Boden, um sie herum erwachsene Helfer mit Warnwesten.

Und so ein Arbeitstag auf der LEGO-Baustelle macht hungrig. Im Garten hinter dem Gemeindehaus werden rote Würstchen auf Holzstöcke aufgespießt und über den Feuerstellen gebrutzelt, bevor sie ins Weck kommen. Nach dem Essen geht es zu den Actionspielen auf die große grüne Wiese, mit weitem Blick über die 5.500 Einwohnerstadt. An der Station von Mitarbeiter Jakob müssen Nägel mit dem Hammer in einen Baumstamm geschlagen werden. Bei Sozialpädagogin Tabea Peters wird es etwas grobmotorischer: Zehn leere Flaschen stehen auf einem Tisch und warten darauf, umgeworfen zu werden.

In einer eisernen Wanne ist glühende Kohle, um sie herum stehen Kinder mit Würstchen am Stock und halten sie über die Kohle.
In einer eisernen Wanne ist glühende Kohle und Feuer, ein Mädchen steht rechts daneben und hält ein Würstchen am Stock darüber. Zwei Frauen in Warnweste knien vor der Wanne und eine schaut das Mädchen lachend an.
Drei Jungs sitzen vor einem Eimer mit Holzklötzen, die sie zum Teil auf der Wiese ausgebreitet haben. Im Hintergrund stehen zwei weitere Jungs, die aber nicht gut zu erkennen sind.
Ein Mädchen schaut lachend in die Kamera, es hält ein anderes Mädchen im Spiel fest, das sich nach vorne beugt.
Zwei Mädchen und eine Helferin wickeln ein anderes Mädchen mit Verband ein, damit es aussieht wie eine Mumie.
Zwei Mädchen kugeln sich lachend über das Gras.
Ein Junge hat freundschaftlich den Arm um ein Mädchen gelegt. Sie schauen beide in die Kamera und lächeln.

Zurück im Gemeindesaal machen sich die 16 Bauteams mit ihren Bauleitern wieder an die Arbeit. Ein wichtiges Gebäude fehlt noch in der LEGOstadt: eine Kirche. Das ist dem Bauteam von Leon (9), Linus (9), Maximilian (10) und Oskar (9) schon am Vorabend aufgefallen. „Krieg ich noch mal zwei Dreier“, ruft Linus über den Tisch zu Leon. Damit meint er einen LEGOstein, der insgesamt sechs Augen hat. Die vier Haiterbacher Grundschüler und ihre Bauleiterin Petra haben sich zur besseren Kommunikation beim Bauen eine eigene Sprache angeeignet. Vom „Nuller“ bis zum „Zehner“ ist alles dabei. „So weiß jeder, was gebraucht wird“, sagt Petra.

Drei Jungs bauen mit LEGO-Steinen ein Gebäude.
Ein Mädchen, ein Junge und eine Helferin bauen an einem großen, gelben LEGO-Haus.
Drei Mädchen schauen in den Holzboxen mit LEGO-Steinen nach passendem Baumaterial.
Ein Mädchen steht am Tisch und hält eine Plastikbox mit LEGO-STeinen in der Hand. Hinter ihr stehen Menschen, die an LEGO-GEbäuden bauen.

Leon reicht Linus die zwei gelben „Dreier“ über den schon vorhandenen Bau der rot-gelben Kirchengrundrisse. Ein Freund der Jungs, Lukas, kommt vorbei und sagt mit Anerkennung: „Oha krass, die sieht geil aus.“ „Sogar mit Brautpaar und Stretch-Limo“, sagt Leon. „Das Brautpaar kommt dann vor die Kirche“, ergänzt Oskar.

zwei Mädchen bauen an einem LEGO-Haus.
Ein Junge sitzt vor einer LEGO-Konstruktion und schaut in eine andere Richtung.
Die Kinder sitzten gemeinsam vor der von ihnen gebauten Stadt aus LEGO-Steinen.

Dreieinhalb Stunden später hat sich in der LEGO-Stadt einiges getan. Die kleinen Baumeister stehen wieder gespannt um die Baufläche, begutachten ihr Werk und staunen, was sie erschaffen haben. Neben Polizeistation, Bankfiliale und Ritterburg ist viel Neues aus Kunststoffsteinchen entstanden: Flughafen, Ponyhof, Leuchtturm und Campingplatz, sogar ein komplettes Fußballstadion mit Mannschaft und Zuschauern. Auch Stadtbaumeister Kraft staunt nicht schlecht. „Ihr wart sehr fleißig. Das sieht toll aus“, lobt er seine Architekten. Und wie viele Ganoven und Räuber noch in den Zellen der Polizeistation landen werden, bleibt der Fantasie der kleinen Baumeister überlassen.

Info

  • Die Projekte sind für alle Kinder offen, es werde darauf geachtet, dass etwa ein drittel der Kinder und Jugendlichen aus Familien mit Flucht- oder Migrationshintergrund kommen.
  • Für das Ferienprogramm kann sich auf der Internetseite unter: ferienprogramm-online.de angemeldet werden.
  • Das Mehrgenerationenhaus in Haiterbach bietet Freizeit-, Beratungs- und Bildungsangebote bis hin zu Veranstaltungen und Flohmärkte an.
  • Das Projekt KiHa „Werkstatt Kreativ Integrativ Haiterbach“ ist gemeinsam in der Arbeitsgruppe „Bildung und Beruf“ entstanden. Träger ist der Evangelische Diakonieverband Nördlicher Schwarzwald. Die Angebote sind eine Antwort auf den demografischen Wandel.
  • Der Deutschen Fernsehlotterie liegt es am Herzen, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit den verschiedensten Hintergründen zusammenkommen, in Gemeinschaft Spaß haben, eigene Potenziale entdecken und sich gegenseitig unterstützen können. Wir freuen uns daher sehr, dass wir das Angebot „Kreativ – Integrativ – Haiterbach“ mit rund 163.000 Euro fördern konnten!
Teilen

Weitere spannende Artikel

#BIKEYGEES: Fahrradfahren kann doch jede*r – oder nicht?!

Ein Verein in Berlin bringt (geflüchteten) Frauen das Fahrradfahren bei – und bewegt damit mehr als nur Gummireifen über den Asphalt.

Mehr erfahren

Zusammenhalt und Respekt: Wie der „Tag der Nachbarn“ unsere Gesellschaft bereichert

Das Café-Tee-Mobil in Esslingen bringt Menschen zusammen - unter anderem zum Tag der Nachbarn, dem bundesweiten Aktionstag am 24. Mai 2019.

Mehr erfahren

Eine Woche in „Görliwood“

Görlitz in Sachsen ist beliebter Drehort für Filmproduktionen. Im Kinderreisen-Camp werden die Mädchen und Jungen hier selbst zu Filmstars!

Mehr erfahren

„Man hält sich selbst für Dreck“

Dominik Bloh lebte jahrelang auf der Straße. Im Interview erzählt der 31-Jährige, wie er den Absprung geschafft hat.

Mehr erfahren

Wie kommen in Deiner Stadt Menschen zusammen? Diskutiere mit!

Noch 500 Zeichen möglich.

0 Kommentare