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Schreibwerkstatt: Corona „von der Seele schreiben“

Mechthild Haase, Sozialarbeiterin beim Caritasverband Rhein-Mosel-Ahr und zuständig für das Quartiersprojekt „Leben und Älterwerden in Remagen mitgestalten“, über neue Wege der Kommunikation und wie Geschichtenschreiben Menschen verbindet.

Deutsche Fernsehlotterie: Wie ist euer Projekt von der Corona-Pandemie betroffen und vor welchen Herausforderungen steht ihr aktuell?

Mechthild Haase: Remagen ist eine Stadt mit etwa 18.000 Einwohnern, die Kernstadt umfasst etwa 8.000 Menschen. Unser Projekt bezieht sich im Wesentlichen auf die Kernstadt. Dort sind in den letzten Jahren mithilfe der Förderung durch die Deutsche Fernsehlotterie zahlreiche Initiativen entstanden, die sozusagen das Herzstück unseres Projekts bilden: Das sind zum Beispiel Mittagstische, ein Besuchsdienst, es werden Fahrradtouren durchgeführt, es gibt einen Literaturkreis, einen Philosophietreff und ein Reparaturcafé. Also eine sehr breit gefächerte Landschaft, die wir da inzwischen aufgebaut haben. Kurz vor Corona hatten wir auch noch eine Nachbarschafts-Ideenwerkstatt, bei der noch mal neue Anregungen aufgetaucht sind. Hilfen für Alleinerziehende, zum Beispiel. Stichwort: Leihoma. Dann gibt es bei uns aber auch noch Veranstaltungen zu unterschiedlichen Themen, wie „Beziehungsgestaltung: Enkel – Großeltern“ – das sollte jetzt eigentlich in Kürze stattfinden – oder  „Barrierefreiheit im öffentlichen Raum“.

Eine Frau steht vor einer Wand

Foto: Mechthild Haase

Deutsche Fernsehlotterie: (Wie) könnt ihr als Projekt auf die aktuelle Situation reagieren?

Mechthild Haase: Alle Veranstaltungen und Aktionen mussten abgesagt werden. Das ist für uns eine völlig neue Situation. Das Projekt lebt ja von Beziehungen und von persönlichen Begegnungen. Was sich verändert, worauf ich mich einstellen muss, worauf sich alle einstellen müssen, ist es, neue Kommunikationswege finden. Und da ist das wesentliche Stichwort: Digitalisierung bzw. digitale Medien. Und da bin ich sehr froh, dass wir im letzten Sommer das Nachbarschaftsportal nebenan.de hier in Remagen „etablieren“ konnten. Wir haben das sehr beworben, über Handzettel, über die Presse, und mittlerweile ist darüber eine ganz, ganz rege Kommunikation entstanden. Durch Corona hat das noch mal einen enormen Aufschwung bekommen. Es wird dort ganz viel Nachbarschaftshilfe angeboten, ganz unterschiedlicher Art. Viele kennen sich, manche kennen sich noch nicht, es sind auch viele jüngere, die digital unterwegs sind.

Menschen sitzen Auf Klappstühlen in der Sonne und trinken Kaffee

Foto: Im vergangenen Sommer saßen die Teilnehmenden des „Klappcafés“ noch zusammen in der Sonne.

Deutsche Fernsehlotterie: Wie unterstützt ihr diejenigen, die (noch) nicht den Kontakt über digitale Medien suchen?

Mechthild Haase: Da gibt es auch viele Angebote. Unter anderem werden jetzt auch Mundschutz-Masken genäht. Und ganz neu auf den Weg gebracht, haben wir die Einladung zu einer Schreibwerkstatt. Einfach nach dem Motto: „Wir müssen zwar zu Hause bleiben, doch können wir Geschichten schreiben.“ Das war die Idee einer Ehrenamtlichen, sie wollte eigentlich eine Gruppe bilden. Aber dann kamen wir zusammen auf die Idee, das können die Menschen ja auch von zuhause machen! Sie können uns eine E-Mail schreiben oder eben auch einen Brief, mit Gedanken und Geschichten rund um die Corona-Krise: Wie ist das Leben zu Hause, was geht einem durch den Kopf? Was geht einem wirklich auch auf die Nerven? Fällt einem die Decke auf den Kopf? Es ist viel los, alles ist völlig anders und auch spannend, aber ich hoffe, dass diese Zeit bald ein Ende hat.

Das Projekt „Leben und Älterwerden in Remagen mitgestalten“ belebt das Quartier mit vielen Aktionen und Initiativen. Wir unterstützen die gelebte Nachbarschaftshilfe bereits im fünften Jahr mit insgesamt über 181.000 Euro.

Miteinander im Viertel

Autor

Katharina Hofmann

Fotograf

Leben und Älterwerden in Remagen mitgestalten

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1 Kommentar

Lissy Boost (41) – 29.04.2020, 08:40 Uhr

Die AnwohnerInnen der Röbeler Vorstadt in Wittstock und das Quartiersprojekt der Volkssolidarität, gefördert durch die Deutsche Fernsehlotterie seit 2017, ist auch in diesen stürmischen Zeiten füreinander da. Es gibt Lieder die gemeinsam von Terassen gesungen werden am Wochenende, Newsletter, Telefonketten, digitale Angebote, wie von nebenan.de, Facebook u.v.m. auch über die Nachbarschaft hinaus. Aktuell planen wir einen Schreib- und Malaufruf, welcher begleitet wird mit Aktionsständen.

Antworten
Katharina Hofmann – 29.04.2020, 12:55 Uhr

Hallo Lissy, das klingt ganz wunderbar! Vielen Dank, dass ihr euch so für die Menschen im Quartier ins Zeug legt und auch in diesen schwierigen Zeiten Wege findet, Nachbarinnen und Nachbarn zusammenzubringen! Herzliche Grüße vom Team der Deutschen Fernsehlotterie