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Mit Mut gegen (Cyber-)Mobbing: Erst Täter, dann Opfer – jetzt Retter

Traurig aber wahr: Mobbing ist ein Bestandteil unserer Gesellschaft. Beleidigungen, üble Nachrede durch andere – das betrifft nicht nur Kinder und Jugendliche. Auch über 18-Jährige werden Opfer von (Cyber-)Mobbing-Attacken. Laut einer Studie* haben bereits über 20 Millionen von ihnen solch schlechte Erfahrungen gemacht. Einer davon ist Marco Krüger. Der 23-jährige Gründer des Vereins „Das M steht für Mut“ kennt beide Seiten: die des Opfers – und des Täters.

Mobbing (abgeleitet vom englischen Begriff „to mob“ = belästigen/anpöbeln) bedeutet, andere Menschen wiederholt und regelmäßig zu schikanieren, diffamieren und seelisch zu verletzen. Das hat weitreichende Folgen: Persönlichkeitsveränderungen, Probleme mit dem Selbstvertrauen, Depressionen. Auch Marco  Krüger rutschte durch Mobbingattacken in ein tiefes Loch. „Das war sehr schlimm, ich war in stationärer Behandlung“, erzählt der 23-Jährige. „Damals wollte ich mir sogar das Leben nehmen.“

Marco Krüger (rechts) und Stellvertreter Vincent Kunath (links) vor dem Stand des Vereins "Das M steht für Mut"

Doch er war mutig genug, dem Leben eine weitere Chance zu geben – und einen neuen Sinn: „Ich hatte schon immer das Gefühl, dass mein Lebenssinn dann erfüllt ist, wenn ich anderen Menschen geholfen habe.“ Zuerst half er sich jedoch selbst, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen, neuen Lebensmut zu erlangen. Dann beschloss er, dies an andere Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, weiterzugeben. 2017 gründete er die Anti-Mobbing-Initiative „Das M steht für Mut“, hilft seitdem Betroffenen über Facebook und Instagram und leistet mit seinem Team wichtige Präventionsarbeit an Schulen. „Wir reden mit den Jugendlichen über Themen wie Respekt und Toleranz, dass jeder seine eigene Meinung haben darf und darüber, dass Mobbing niemals etwas Gutes ist.“ Auch über seine eigenen Erfahrungen spricht Marco dann – und zeigt offen, dass es nie zu spät ist, das Richtige zu tun. Denn der Industriekaufmann kennt beide Seiten: die des Opfers und des Täters.

Wir möchten die Menschen, die uns anschreiben, mit einem gestärkten Selbstbewusstsein aus dem Chat entlassen.
Marco Krüger, Gründer des Vereins "Das M steht für Mut"

„Um ehrlich zu sein, war ich mehr Täter als Opfer. Ich habe Mitschüler schikaniert, ausgegrenzt, habe Lieder über sie gesungen. Das war schon fast menschenverachtend“, erzählt er. „Ich habe gemerkt, dass das falsch war.“ Später, so der 23-Jährige, sei er dann selbst gemobbt worden. Über Facebook habe ein damaliger Freund die ganze Klasse angestachelt, Marco auszugrenzen, in Gruppenarbeiten nicht mehr zu beachten und seine Meinung nicht anzuhören. „Das ist meine Geschichte, in ganz kurzer Form“, sagt er und betont: „Es wäre Heuchelei von mir, wenn ich immer nur sagen würde, dass ich Opfer war. Nur um in der Öffentlichkeit als der gefeierte Held dazustehen, der sagt, dass er sich aus einer schlimmen Phase herausgekämpft hat. Wenn ich das so machen würde, wäre ich nicht besser als damals.“

„Das M steht für Mut“ – der 23-Jährige lebt das Motto seines Vereins. Denn es zeugt nicht nur von Mut, gegen Mobbing aufzustehen, sondern auch, eigene Fehler einzugestehen und offen damit umzugehen.

Du Hast Mein Wort
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Mit der Bewegung „Du hast mein Wort“ rufen wir, die Deutsche Fernsehlotterie, dazu auf, unter dem Hashtag #DuhastmeinWort in einem Instagram-Post, einem Tweet oder auf unserer Aktionsseite ein Versprechen für ein solidarisches Miteinander abzugeben. Für jedes Versprechen werfen wir 1 Euro ins Spendenbarometer – und gleichzeitig stärken wir gemeinsam das Vertrauen und den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Die gesammelte Spendensumme wird am Ende zu gleichen Teilen auf drei großartige Projekte verteilt – eines davon ist „Das M steht für Mut“.

Cyber-Mobbing: Das kann man tun

Neben Workshops in Schulen, mit denen die Initiative langfristige Kooperationen eingeht, unterstützen Marco Krüger, sein bester Freund und Stellvertreter Vincent Kunath (21) und ein engagiertes Team Betroffene auch per Instagram- oder Facebook-Chat. Dabei schöpfen alle aus ihren eigenen Mobbing-Erfahrungen. „Ich bin vielleicht derjenige, der in der Öffentlichkeit steht. Doch im Hintergrund arbeiten viele Menschen, die täglich ihr Herzblut in unsere Initiative stecken“, sagt Marco. „Wir möchten die Menschen, die uns anschreiben, mit einem gestärkten Selbstbewusstsein aus dem Chat entlassen. Dafür muss man in erster Linie einfach empathisch sein und mit gesundem Menschenverstand handeln.“ Manchmal komme es aber auch vor, dass Marco auf andere Hilfen verweise oder Tipps gebe, an wen man sich wenden könne.

Mobbing macht einen fertig, weil man alles hinterfragt, was man tut. Man hat keinen Spaß mehr an nichts und verliert das Vertrauen in sich selbst.
Marco Krüger, Gründer des Vereins "Das M steht für Mut"

„Diejenigen, die es erwischt“, sagt er, „zerreißt die unerträgliche Situation oft innerlich. Mobbing macht einen fertig, weil man alles hinterfragt, was man tut. Man hat keinen Spaß mehr an nichts. Man verliert das Vertrauen in sich selbst und in andere und bekommt Angst, überhaupt etwas zu tun oder in seiner Freizeit zu unternehmen. Doch es sind Erlebnisse und Erfahrungen, die unser Leben fröhlich gestalten. Geschädigte sehen nur noch Schwarz und Weiß vor sich.“ Marco Krüger und sein Team möchte Mobbingopfern Möglichkeiten aufzeigen, wie ihre Welt wieder bunt werden kann.

Marco Krüger vor einer Schultafel, auf die viele bunte Zettel gepinnt sind.

Gerade in letzter Zeit, erzählt der 23-Jährige, berichteten Opfer häufig davon, bedroht zu werden. Von Mitschülern, auf dem Pausenhof. Mit Aufkommen der neuen Kommunikationsmedien hat sich zudem auch eine neue Form von Mobbing entwickelt: das Cybermobbing. Beleidigungen, Bloßstellungen oder Belästigungen enden nun nicht mehr spätestens vor der Haustür, sondern finden im Internet oder übers Smartphone – und damit Rund um die Uhr – statt. Cybermobbing kann dabei ganz unterschiedliche Formen annehmen: von „Läster“-Gruppen in Chats und Communitys über diffamierende Fotos oder Filme bis hin zu Unwahrheiten, die vom Täter über ein gefälschtes Konto unter dem Namen des Betroffenen in den sozialen Netzwerken verbreitet werden. Die sogenannten „Cyber-Bullies“ wägen sich nicht selten unter dem Deckmantel der Anonymität in Sicherheit. Die Verleumdungen und Beleidigungen verbreiten sich rasend schnell im Netz und werden einem unüberschaubar großen Publikum zugänglich gemacht. Die Opfer kämpfen lange mit den Demütigungen und Verletzungen.

Anderen Menschen ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern, ist das größte Geschenk, das du geben kannst.
Marco Krüger, Gründer des Vereins "Das M steht für Mut"

Doch man kann etwas tun: „Bei Instagram zum Beispiel macht man sich mit einem öffentlichen Profil angreifbar, also einem Profil, bei dem jeder deine Bilder sehen, sie kommentieren und dir Nachrichten schicken kann“, erklärt Marco Krüger. „Man sollte also sein Profil privat stellen. Außerdem hat Instagram eine Meldefunktion, über die die Identitäten von Cybermobbern aufgedeckt werden können. Und natürlich kann man Personen blockieren, um die ganze Situation gar nicht mehr an sich heranzulassen.“ Auch, wenn das Mobbing über Messenger-Diensten wie etwa WhatsApp stattfindet, gibt es Handlungsmöglichkeiten: „Diffamierende Nachrichten können an die Polizei gegeben werden, die dann Anzeige erstattet“, so Krüger.

Jeder kann etwas bewegen!

Der junge Industriekaufmann hofft, dass er durch seine Arbeit außerdem Menschen dazu animieren kann, nicht wegzuschauen. „Wer jetzt etwas Gutes tut, erhält früher oder später etwas zurück“, ist der 23-Jährige überzeugt. „Ob man sich nun im Verein einsetzt, oder sich anderweitig solidarisch zeigt. Das geht ja auch ganz leicht und schnell, im Internet zum Beispiel durch einen positiven, netten Kommentar. Leider stehen wir alle noch viel zu selten in der Öffentlichkeit für ein Thema ein.“ Gerade junge Menschen, die im Internet sehr aktiv sind, und von denen einige sicher selbst schon Erfahrungen mit Mobbing gemacht haben, könnten ohne viel Aufwand ein Zeichen setzen – und andere, die ihnen in den sozialen Netzwerken folgen ein positives Vorbild sein. „Wir würden gern mit Influencern (von englisch „to influence“ = beeinflussen; Personen, die aufgrund ihrer starken Präsenz und ihres Ansehens in den  sozialen Netzwerken einen großen Einfluss auf ihre Follower haben; Anm. d. Red.) zusammenarbeiten, um möglichst viele Menschen zu erreichen“, sagt der junge Gründer.

„Anderen Menschen ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern, ist das größte Geschenk, das du geben kannst“, so Krüger. „Aus diesem Grund setzen wir uns gegen Mobbing und für Mobbingopfer ein. Weil andere Menschen nicht das durchmachen sollten, was wir durchgemacht haben. Wenn ich jemanden beschützen kann durch die Erfahrungen, die ich gesammelt habe, dann wäre es verwerflich, nur wegzuschauen und zu sagen: ‚Das geht mich nichts an.‘“

Mobbing geht uns alle etwas an und gemeinsam haben wir die Macht, es zu verhindern.

Über "Das M steht für Mut"

  • Der Verein „Das M steht für Mut“ steht auf gegen Mobbing: Das junge Team berät und betreut Betroffene und leistet wichtige Präventivarbeit an Schulen.
  • Den Einsatz, den Marco Krüger und sein Team täglich zeigen, finden nicht nur wir preisverdächtig: Der Verein ist 2019 für den Deutschen Engagementpreis nominiert – wir gratulieren ganz herzlich! Als Soziallotterie empfinden wir den Preis als sehr wertvoll und unterstützen ihn seit Jahren. Es freut uns, dass soziale Projekte und die Menschen, die täglich viel Zeit und Herzblut in die ehrenamtliche Arbeit investieren, hierdurch die Anerkennung erhalten, die sie verdienen.
  • Bisher konnten wir den Verein noch nicht fördern, daher möchten wir ihn auf anderem Wege unterstützen – doch dafür brauchen wir Deine Hilfe! Mach mit bei unserer Bewegung „Du hast mein Wort“ und gib Dein Versprechen für ein solidarisches Miteinander mit dem Hashtag #DuhastmeinWort auf Instagram**, Twitter oder auf Du-hast-mein-Wort.de ab. Jedes Versprechen ist 1 Euro wert! Das Geld wird nach der Aktion zu gleichen Teilen an drei großartige Projekte verteilt – eines davon ist „Das M steht für Mut“.
    **WICHTIG: Wenn Du statt eines Posts lieber eine Instagram-Story machen möchtest, reicht der Hashtag nicht aus. Damit wir Dein Versprechen und somit auch die Spende zählen können, musst Du uns in Deiner öffentlichen Instagram-Story verlinken (@duhastmeinwort).

*Studie: Christoph Schneider, Dipl. Ing. Uwe Leest: „Mobbing und Cybermobbing bei Erwachsenen – die allgegenwärtige Gefahr“, Bündnis gegen Cybermobbing e.V., September 2018

Mutmacher

Autorin

Katharina Hofmann

Fotograf

zur Verfügung gestellt von: Das M steht für Mut e.V.

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