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Wie viele Obdachlose gibt es in Deutschland?

Rund 263.000 Menschen waren zum 31. Januar 2022 wohnungslos. Das geht aus dem Bericht der Bundesregierung über die Situation wohnungsloser Menschen hervor. Die Zahlen umfassen sowohl untergebrachte wohnungslose Personen, verdeckt wohnungslose Personen und wohnungslose Personen ohne Unterkunft. Die Zahl der Obdachlosen, also Menschen, die auf der Straße oder in provisorischen Behausungen leben, wird auf 37.400 im Jahr 2022 geschätzt. Der Bericht zeigt einen gesamtdeutschen Überblick über die Situation wohnungsloser Menschen. 

68 Prozent der wohnungslosen Personen, die Angaben zu ihrem Geschlecht in dem Bericht machten, waren männlich, 31 Prozent weiblich und 1 Prozent wählten die Angabe divers. Das durchschnittliche Alter bei Menschen ohne Unterkunft beträgt 44 Jahre, 75 Prozent bezeichnen sich darunter als alleinstehend – leben also ohne Verwandte oder Familie ohne Obdach. 

Die Deutsche Fernsehlotterie engagiert sich über die Stiftung Deutsches Hilfswerk für Obdachlose und leistet in diesem Beitrag Aufklärung zur Entwicklung der Obdachlosigkeit, zu Gründen und soziodemografischen Merkmalen der Obdachlosigkeit.

Gründe für Obdachlosigkeit: Statistik & soziodemografische Merkmale  

Fast die Hälfte aller Menschen, die schon einmal eine Wohnung besaßen, haben diese wegen Mietschulden verloren. Weitere Gründe für Wohnungslosigkeit sind: 

  • Inhaftierung
  • Trennung/Scheidung 
  • mietwidriges Verhalten 
  • Nachbarschaftskonflikte 

Genannt werden von Menschen ohne Wohnung auch Gründe wie Krankheit, ein Jobverlust, familiäre Gründe, häusliche Gewalt oder eine Sanierung der Wohnung.

Obdachlos, wohnungslos oder verdeckt wohnungslos? Die Begrifflichkeiten

  • In der Regel unterscheiden Studien zwischen Obdachlosen oder Wohnungslosen. Als wohnungslose Menschen gelten Menschen ohne private Unterkunft oder eigene Wohnung, die aber bei Verwandten oder Freunden unterkommen, als Obdachlose, Menschen ohne privaten Wohnsitz, die im Freien, in der Öffentlichkeit übernachten. 
  • Als verdeckt oder versteckt wohnungslose Personen gelten Menschen, die in Firmenunterkünften, in institutioneller Fürsorge oder bei persönlichen Kontakten unterkommen. Versteckte Wohnungslosigkeit ist typischerweise Frauen-Wohnungslosigkeit. Sie geht häufig einher mit dem Gefühl des persönlichen Versagens. 

Interessant ist, dass sich zwischen den wohnungslosen Menschen und den Menschen, die verdeckt wohnungslos sind, die Gründe ziemlich stark unterscheiden. Verdeckt wohnungslose Personen verlieren ihre Wohnung durch eine Inhaftierung oder Scheidung. Wohnungslose Personen ohne Unterkunft geben häufig keine Angabe, besitzen die Wohnung aber wegen einer Eigenbedarfskündigung nicht mehr oder wegen einer Trennung oder Scheidung. 

 

Quelle: Brüchmann et al. 2022a: Tabelle 3-5; eigene Darstellung, Bericht Bundesregierung: https://www.bmwsb.bund.de/SharedDocs/downloads/Webs/BMWSB/DE/veroeffentlichungen/pm-kurzmeldung/wohnungslosenbericht-2022.pdf?__blob=publicationFile&v=3, S. 31

Quelle: Brüchmann et al. 2022a: Tabelle 3-5; eigene Darstellung, Bericht Bundesregierung, S. 31

Analysen zu den Gemeinsamkeiten oder Unterschieden zwischen Obdachlosen, zeigen folgendes auf: 

  • Untergebrachte wohnungslose Menschen sind zu zwei Dritteln ausländische Staatsangehörige, die jung sind und häufig aus Afrika oder Asien stammen. 
  • Nicht untergebrachte wohnungslose Personen sind in der Mehrheit junge, deutsche Staatsbürgerinnen. 
  • Ohne Unterkunft und wohnungslos sind mehrheitlich Männer, die alleinstehend sind und zwischen 30 und 50 Jahre alt sind. Sie besitzen häufig die deutsche oder osteuropäische Staatsbürgerschaft. 

Regionale Untersuchungen und die bundesweite Studie der Bundesregierung, außerdem Wohnungsnotfallberichterstattungen, Straßenzählungen von wohnungslosen Menschen oder Befragungen liefern außerdem Erkenntnisse. 

Obdachlose Deutschland Entwicklung: Wer ist obdachlos? Studien & soziodemografische Merkmale 

Wie alt sind obdachlose Menschen, mit wem leben sie ohne Unterkunft, welche Staatsangehörigkeit besitzen sie und wie ist ihr Gesundheitszustand

Die Studie der Bundesregierung von 2022 sowie weitere regionale Studien und Erhebungen vermerken vor allem bei den untergebrachten wohnungslosen Personen weitere Merkmale. Zu diesen Daten gehören das Geschlecht, die Staatsangehörigkeit, der Haushaltstyp, das Lebensalter, die Haushaltsgröße, die Art der Überlassung der Räume, der Anbieter, der die Räume überlässt und die Gemeinde, die Räume überlässt. Nicht erfasst werden im Bericht der Regierung aktuell Menschen, die in Sammelunterkünften länger als gedacht wohnen bleiben oder in Gewaltschutzeinrichtungen, Gesundheitseinrichtungen oder Haftanstalten sind. Menschen ohne Unterkunft werden zudem in einer Studie von GISS/Kantar erfasst, die auch soziodemografische Merkmale mit abbildet.

Geschlecht: 

  • 68 Prozent männliche wohnungslose Personen 
  • 31 Prozent weibliche wohnungslose Personen 
  • 1 Prozent diverse wohnungslose Personen 

Ohne Unterkunft in Behelfsunterkünften leben überwiegend Männer, deutlich weniger Frauen. In verdeckter Wohnungslosigkeit allerdings ein höherer Frauenanteil von 40 Prozent und ein geringerer Männeranteil von 60 Prozent. 

Alter: 

Im Durchschnitt sind Menschen in Wohnungslosigkeit 44 Jahre alt. Ohne Unterkunft leben überwiegend 30-50-Jährige, verdeckt wohnungslos sind eher jüngere Menschen um die 35 Jahre. Auffällig ist, dass gerade bei Frauen 80 Prozent unter 40 Jahre alt sind, die in verdeckter Wohnungslosigkeit leben und bei den 18-21-Jährigen sind ganze 80 Prozent der verdeckt wohnungslos Lebenden weiblich. 

Haushaltstyp: 

Die Mehrheit der befragten Personen bezeichnet sich als alleinstehend, in etwa 75 Prozent, bei den Obdachlosen ohne Unterkunft ist der Anteil noch höher. Im Alter steigt der Anteil der Alleinstehenden an. 

Staatsangehörigkeit: 

Zwei Drittel der wohnungslosen Menschen besitzen die deutsche Staatsangehörigkeit, 29 Prozent sind staatenlos oder tragen eine andere Staatsangehörigkeit. 

Gesundheitszustand:

Etwa 40 Prozent der Wohnungslosen ohne eine Unterkunft empfinden ihre Gesundheit als weniger gut oder schlecht, mehr als die Hälfte leidet an einer Behinderung oder Krankheit. 32 Prozent der verdeckt wohnungslosen Personen und 24 Prozent der wohnungslosen Personen beschreiben ihren Gesundheitszustand wiederum als gut und ohne Beeinträchtigung. Zum Vergleich: In der Gesamtbevölkerung liegt diese Quote bei 46 Prozent. 

29 Prozent der Wohnungslosen bezeichnen sich als suchtkrank, 23 Prozent als psychisch erkrankt und 23 Prozent als körperlich erkrankt oder behindert

(Quelle: bmwsb.bund)

Müssen Obdachlose für Notunterkünfte zahlen? 

Notunterkünfte stellen eine schnelle Unterbringung für Obdachlose dar – und zwar ohne einen hohen bürokratischen Aufwand. Sie sollen, laut bayerischen Ministerien, den obdachlosen Menschen immer ein Mindestmaß an Privatsphäre garantieren. Doch sind Notunterkünfte vollkommen kostenfrei für obdachlose Menschen? Kommunen und Gemeinden in den einzelnen Bundesländern regeln das unterschiedlich, teilweise fallen gar keine Kosten an, teilweise geringe Kosten zwischen 5 und 10 Euro. Das hängt unter anderem davon ab, ob die Obdachlosen eine Rente oder ein Einkommen beziehen. Wohnungslose Menschen haben die gleichen Leistungsansprüche wie jede Bürgerin oder jeder Bürger und können Arbeitslosengeld bzw. Leistungen der Grundsicherung beziehen. Den Großteil der Kosten trägt in der Regel aber das Sozialamt oder die Steuerzahlenden. 

Die Deutsche Fernsehlotterie: Obdachlose in Deutschland unterstützen 

Die Deutsche Fernsehlotterie fördert als Soziallotterie zahlreiche Projekte im Bereich der Obdachlosenhilfe in Deutschland – darunter beispielsweise das Zahnmobil, das vor 15 Jahren als rollende Zahnarztpraxis Menschen ohne Krankenversicherung eine zahnärztliche Behandlung anbot. Heute sind über 30 ehrenamtliche Zahnärzte aktiv und fahren direkt zu den Einrichtungen. Auch in den einzelnen Städten engagiert sich die Fernsehlotterie über die Stiftung Deutsches Hilfswerk, an die 30 Prozent der Einnahmen für soziale Projekte gehen, wie in der Obdachlosenhilfe Hamburg. Wer bei der Fernsehlotterie ein Los kauft, unterstützt somit ganz automatisch mit – und sichert sich die Chance auf den Millionengewinn.

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