Themenbeitrag

Leben mit Demenz: Warum es wichtig ist, nicht wegzuschauen

Vom 20. bis 26 September erinnert die „Woche der Demenz“ mit ihrem Motto „Schaut hin“ daran, dass Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen gesellschaftlichen Rückhalt brauchen.

Mutmacher
  • 20.09.2021
  • Autorin Katharina Hofmann
  • Lesezeit6 Min.

Vom 20. bis 26 September 2021 erinnert die bundesweite „Woche der Demenz“ mit ihrem Motto „Schaut hin“ daran, dass Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen gesellschaftlichen Rückhalt brauchen. Denn nach wie vor werden Betroffene stigmatisiert und ausgeschlossen – dabei verfügen sie weiterhin über individuelle Ressourcen, die gefördert werden müssen, und wünschen sich aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Wir erklären, warum das Thema in Zukunft noch wichtiger wird, wie wir gemeinsam die Situation von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen verbessern können und stellen soziale Projekte rund um das Thema vor.

„Menschen mit Demenz sowie ihre Familien und Betreuerinnen und Betreuer erleben Diskriminierung aufgrund des Alters, Stigma und soziale Ausgrenzung. Das darf in unseren Gesellschaften keinen Platz haben“, mahnte die Weltgesundheitsorganisation WHO Anfang September 2021 in Genf. Kurz zuvor hatte sie die Ergebnisse einer Untersuchung veröffentlicht: Demnach dürften bis 2030 rund 40 Prozent mehr Menschen weltweit mit Demenz leben als heute.

Als ein positives Beispiel, wie diese Herausforderung angenommen werden kann, stellte die WHO die von der Bundesregierung initiierte Nationale Demenzstrategie vor. Diese hat zum Ziel, die Situation von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen in Deutschland in allen Lebensbereichen nachhaltig zu verbessern. Dazu sollen insbesondere die Maßnahmen im Fokus stehen, die für die Alltagsgestaltung und die gesundheitliche und pflegerische Versorgung von Betroffenen vor Ort von Bedeutung sind. Die Strategie wurde 2019 in gemeinsamer Federführung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) unter Mitwirkung der Bundesländer, Kommunen und einer Vielzahl von Organisationen erarbeitet – auch wir haben an der Entwicklung der Strategie mitgewirkt und beteiligen uns an der Umsetzung.

Projekte für und mit Menschen mit Demenz: Musiktherapie und tierische Helfer

Bereits seit vielen Jahren setzen wir uns als Soziallotterie für Menschen mit Demenz ein und fördern über die uns angeschlossene Stiftung Deutsches Hilfswerk, welche die von uns eingespielten Zweckerträge an soziale Projekte in ganz Deutschland vergibt, auch Projekte für Menschen mit kognitiven Erkrankungen und ihre Angehörigen. Im Jahr 2020 hat die Stiftung 2,3 Millionen Euro für 23 Projekte bereitgestellt, die sich schwerpunktmäßig dem Thema Demenz widmen. Dabei wird insbesondere auch die Vielfalt der Betroffenen berücksichtig, denn eine Demenz hat viele Facetten. Der Verlauf der Erkrankung ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. So haben die individuelle Biografie, die Lebensumstände und die Persönlichkeit der betroffenen Person Einfluss auf das Erscheinungsbild und die Folgen der Erkrankung.

In den vergangen Jahren haben wir in unserem Online-Magazin viele verschiedene soziale Projekte für Menschen mit Demenz vorgestellt, die auf ganz unterschiedliche Weise arbeiten. So etwa ein Projekt in Ettlingen: Musiktherapeutin Dr. Elsa Campbell erzählte uns im Interview, wie Kommunikation durch Musik gelingen kann, wenn Sprache nicht mehr funktioniert. Außerdem erklärte sie, wie Rhythmus, Melodie und Bass die Symptome von Demenzpatientinnen und -patienten lindern können (Fördersumme: 149.808 Euro). Am 19. September 2021 stellten wir das Projekt zudem in unserer Gewinnzahlenbekanntgabe in der ARD vor:

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Auch tierische Helfer können Brücken bauen, wenn menschliche Kommunikation und Kontaktaufnahme mit demenziell Erkrankten an ihre Grenzen stoßen. Beim Kölner Projekt „Vier Pfoten für Sie“ werden Vierbeiner und ihre Halterinnen und Halter auf diesen besonderen Einsatz vorbereitet, 2018 haben wir die Qualifizierungsworkshops mit einer Förderung unterstützt und hier über das Projekt berichtet.

Eine Frau kuschelt mit einem kleinen Hund und küsst ihn auf den Kopf.
Eine Ehrenamtliche vom Projekt „Vier Pfoten für Sie“ mit ihrem Hund. (Foto: Jan „Nouki“ Ehlers)

Projekte für und mit Menschen mit Demenz: Selbsthilfe, Bewegung Prävention – und Theater

Pflegefachkraft Rebecca Witte leitet des Osnabrücker Demenzcafé „Vergiss Dich Nicht“, das wir ebenfalls für eine Reportage besucht haben. Sie weiß: „Das Thema Selbsthilfe ist aufgrund des Stigmas, das Betroffenen und ihren Familien auch heute noch anhängt, leider noch sehr verschlossen.“ Im Projekt sorgen sie und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen für etwas Abwechslung im Alltag der Erkrankten, etwa durch gesellige Kegelrunden – und geben den Angehörigen einen geschützten Raum, in dem sie Sorgen und Ängste benennen und besprechen können (Fördersumme: 93.000 Euro). In Hamburg „kegeln“ Seniorinnen und Senioren inzwischen auch virtuell: Eine Videospielkonsole bietet den Menschen im Hospital zum Heiligen Geist die Möglichkeit, ihre kognitiven und motorischen Fähigkeiten zu trainieren. Diese spielerische Prävention der MemoreBox (Fördersumme: 100.000 Euro; lies hier die Reportage aus dem Projekt), die extra für ältere Menschen entwickelt wurde, wird in der Seniorenwohnanlage seit diesem Herbst zusätzlich durch das Virtual-Reality-Erlebnis des sogenannten ExerCubes (Fördersumme: 100.000 Euro) ergänzt. Wir durften beim ersten Testlauf des innovativen Games dabei sein – die ganze Geschichte findest du hier.

 

Ein alter Mann steht vor einem Fernseher und spielt ein Computerspiel. Er bewegt seine rechte Hand als würde er kegeln.
Ein Senior spielt im Hospital zum Heiligen Geist an der MemoreBox. (Foto: Jan „Nouki“ Ehlers)
Ein alter Mann wirft einen kleinen Ball wie eine Kegelkugel. Hinter ihm sitzen mehrere Menschen und schauen zu.
Eine Kegelrunde beim Demenzcafé in Osnabrück. (Foto: Guido Werner)

Für Bewegung sorgt auch der Tanztee im Stadtteilzentrum FeidikForum in Hamm. „Wir haben ihn gemeinsam mit der Allianz für Menschen mit Demenz ins Leben gerufen, aber wir wollten auch, dass sich das Publikum mischt“, erzählte uns Christine Lenz, die das Stadtteilzentrum leitet, bei unserem Besuch vor einigen Jahren. „Wir wollten etwas machen, bei dem nicht das Problem im Vordergrund steht, sondern ‚Spaß‘ draufsteht.“ Hier erhältst du einen Einblick in die Tanzveranstaltung.

Im Krefelder Stadtteil Fischeln startete 2018 im Rahmen des von uns geförderten Projekts „Leben mit Demenz in Fischeln“ (Fördersumme: 71.961 Euro) eine Initiative, die Menschen mit Demenz den Zugang zur Gesellschaft und zu einem solidarischen Miteinander barrierefrei und sensibel gestalten möchte – direkt vor der eigenen Haustür: Manuela Hansmann erzählte uns im Interview von den ganz speziellen „Verkehrsschildern“, die im Stadtteil aushängen und bei Erkrankten durch Wiedererkennung bestimmter Gebäude hilft, sich besser zu orientieren.

Und in Berlin kommen Menschen mit und ohne Demenz zusammen, um gemeinsam Theater zu spielen! Wie das geht, erzählen wir in unserem Beitrag über das Projekt „Vergissmeinnicht – Unutmabeni“ (Fördersumme: 39.560 Euro).

 

Im Vordergrund tanzt ein alter Mann mit einer jungen Frau. Im Hintergrund tanzen weitere ältere Menschen.
Beim Tanztee in Hamm kommen Menschen mit und ohne Demenz zusammen. (Foto: Jan „Nouki“ Ehlers)
Vier ältere Menschen stehen zusammen und singen. Ein Mann spielt ein Instrument.
Eine Probe beim interkulturellen Demenz-Theater „Vergissmeinnicht - Unutmabeni“ in Berlin. (Foto: Jan „Nouki“ Ehlers)

Woche der Demenz: Schaut hin!

All diese und viele weitere Projekte zeigen: Menschen mit Demenz können trotz Erkrankung auf Fähigkeiten zurückgreifen, wollen selbstbestimmt leben, wollen Teil der Gesellschaft sein und sich einbringen. Damit sie dies können, müssen wir alle genau hinsehen – dazu fordert deshalb auch das diesjährige Motto für den Welt-Alzheimertag am 21. September und die Woche der Demenz, die wir als Partner unterstützen, auf. Wir alle sind aufgerufen, hinzuschauen, Blickkontakt zu suchen, einfache Worte zu wählen und geduldig zu sein mit Betroffenen. Hinzuschauen, ob jemand im Supermarkt, im Bus, auf der Straße oder anderswo Unterstützung braucht. Und Betroffenen und ihren Familien zu zeigen, dass sie trotz Erkrankung dazugehören. Eine Hilfe, wie uns allen das gut gelingen kann, haben wir in einem Erlebnisbericht über die Initiative „Demenz Partner“ der Deutschen Alzheimergesellschaft beschrieben. Der Kurs, der Wissen rund um das Thema und Tipps zum Umgang mit Menschen mit Demenz vermittelt, ist seit März 2021 auch online als Webtraining verfügbar.

Schau auch du hin und setze ein Zeichen – gegen Isolation von Menschen mit Demenz und für ein solidarisches Miteinander in unserer Gesellschaft!

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