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Auf ein gutes und „süßes“ Jahr

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Themenbeitrag

Jung, alt, queer!

Welchen Herausforderungen müssen sich junge und alte queere Menschen auf der Suche nach Akzeptanz und Selbstbestimmung stellen?

Mutmacher
  • 20.07.2020
  • Autor Felix Forberg
  • Lesezeit3 Min.

Nach Jahrzehnten des Kampfes um gesellschaftliche Anerkennung und gleiche Rechte hat der Deutsche Bundestag im Jahr 2017 die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare beschlossen, die auch das volle Adoptionsrecht mit sich brachte. Dennoch erleben queere Menschen nach wie vor Diskriminierung. Für sie beginnt die individuelle Suche nach Akzeptanz und Selbstbestimmung meist schon in jungen Jahren und zieht sich durch das ganze Leben bis ins hohe Alter. Welchen besonderen Herausforderungen sich diese beiden Generationen dabei stellen müssen, beleuchten wir in unserer LSBTI*-Themenwoche.

Kannst du dich noch daran erinnern, als du zum ersten Mal so richtig verknallt warst? Hast du es sofort akzeptiert oder warst du eher geschockt, hattest Selbstzweifel, vielleicht sogar Suizidgedanken?

Obwohl ein Coming-out heute in der Regel kein Skandal mehr ist und sogar mit positiven Erfahrungen verbunden sein kann, erfordert es immer noch Mut, sich zur eigenen sexuellen Orientierung zu bekennen. Dass dies auch mit schwerwiegenden Ängsten und Konflikten einhergehen kann, belegen Studien, nach denen junge Lesben und Schwule, insbesondere trans* Jugendliche und junge Erwachsene ein erhöhtes Suizidrisiko aufweisen [1]. Zu den Ursachen für Suizidabsichten zählen starke psychische Belastungen und Depressionen, die zum Beispiel durch Zurückweisung in der Familie, Mobbing und Einsamkeit ausgelöst werden können.

In unserer Themenwoche „Jung, alt, queer!“ geht es vom 20. bis 26. Juli 2020 auf unseren Social Media-Kanälen und hier im Magazin um sexuelle und geschlechtliche Vielfalt. Dabei legen wir den Fokus zum einen auf junge Menschen und ein Projekt, das ihnen in der Phase der Identitätsfindung zur Seite steht, und zum anderen auf queere Senior*innen und wie ihnen ein diskriminierungsfreies Leben im Alter ermöglicht werden kann.

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Du kennst (noch) nicht alle Begriffe rund um das Thema? Kein Problem! Einige erklären wir im Artikel „LSBTI* – Was heißt das eigentlich?“.

Unsere jeweilige sexuelle Orientierung scheint Einfluss darauf zu haben, wie mit uns umgegangen wird. Bei einer bevölkerungsrepräsentativen Umfrage [2] aus dem Jahr 2016, die von der Forschungsstelle der Antidiskriminierungsstelle des Bundes in Auftrag gegeben wurde, gaben 81 Prozent der Befragten an, dass homo- und bisexuelle Menschen nach wie vor Diskriminierung erleben – und das, obwohl es seit dem Jahr 2006 das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz gibt und im Jahr 2017 die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet wurde.

Es ist noch nicht lange her, dass Diskriminierung in der Bundesrepublik Deutschland noch offiziell per Gesetz erlaubt war. Bis zum Jahr 1994 gab es den Paragrafen 175, der männliche Homosexualität unter Strafe stellte und dazu beitrug, dass das Leben vieler Männer nachhaltig beschädigt wurde. So gab es zum Beispiel im Jahr 1956, dem Gründungsjahr der Deutschen Fernsehlotterie und fünfzig Jahre vor Einführung des sogenannten „Antidiskriminierungsgesetzes“, 2993 Verurteilungen nach dem Paragrafen 175 [3].

Junge und alte LSBTI*-Personen: Vom Coming-out bis zur Angst vor erneuter Zurückweisung

Die Zeiten haben sich geändert, weil sich Einstellungen geändert haben. Doch obwohl der Paragraf inzwischen Geschichte ist, werden Menschen auch heute noch wegen ihrer sexuellen Orientierung benachteiligt, zum Beispiel im Bildungsbereich, im Arbeitsleben und in Form von Aggression und Hasskriminalität. Der Bundesregierung zufolge gab es 2019 mindestens 564 politisch motivierte Straftaten aufgrund der sexuellen Orientierung, darunter 147 Gewalttaten. [4]

Als Soziallotterie und Stiftung setzen wir uns gemeinsam mit unseren Mitspielerinnen und Mitspielern dafür ein, das solidarische Miteinander in unserer Gesellschaft zu stärken. Ein solidarisches Miteinander bedeutet eben auch die Anerkennung von Unterschieden und die Freiheit, diese Unterschiede leben zu können. Daher fördern wir auch soziale Projekte, die gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen und soziale Benachteiligung verhindern oder abbauen.

Du möchtest wissen, ob dein Projekt von der Stiftung Deutsches Hilfswerk gefördert werden kann? Dann wirf doch einmal einen Blick auf die Webseiten der Stiftung, auf denen unter anderem Fördervoraussetzungen und Kontaktmöglichkeiten zu finden sind.

Dafür setzen sich auch das von uns geförderte Wohnprojekt „Lebensorts Vielfalt“ der Schwulenberatung Berlin und die Fachstelle Vielfalt des Mädchen*treff e.V. in Tübingen ein. Diese beiden Projekte, die wir in der Themenwoche näher vorstellen, machen deutlich, dass es zum einen die jungen und zum anderen die älteren LSBTI*-Personen sind, die oftmals auf besondere Unterstützung zur Verbesserung ihrer Lebenssituation angewiesen sind.

Die Jüngeren befinden sich im Prozess des Coming-outs, sind häufig unmittelbaren Diskriminierungen ausgesetzt und wagen es lange nicht, sich anderen anzuvertrauen. „Die Angst ist immer sehr, sehr groß“, berichtet Ulrike Hirn, Erziehungswissenschaftlerin und Mädchen*treff-Mitarbeiterin. „Mindestens die Hälfte der Jugendlichen erhält im Zuge des Coming-outs negative Reaktionen.“

Für Senior*innen geht dagegen mit dem Umzug ins Pflegeheim die Angst vor erneuter Zurückweisung einher, sodass sie ihre eigene Identität nicht selten verborgen halten. Um ein diskriminierungsfreies Leben im Alter zu ermöglichen, hat die Schwulenberatung Berlin das Mehrgenerationenhaus „Lebensort Vielfalt“ aufgebaut, in das auch eine Pflege-WG für schwule Männer integriert ist. Dort wird diversitätssensible Pflege praktiziert. „Das heißt, dass man sich den Menschen in seiner Ganzheit anschaut: Jede Person hat eine bestimmte Lebensgeschichte, eine Biografie, die sie geprägt hat. Und wenn ich diese gut kenne, dann kann ich auch eine gute Pflege leisten“, erläutert Diplom-Psychologe Dieter Schmidt von der Schwulenberatung Berlin.

Diesen beiden Generationen widmen wir unsere Themenwoche, um zu zeigen, wie wichtig Respekt und Selbstbestimmung für jeden einzelnen von uns sind – unabhängig von Alter, Geschlecht und sexueller Orientierung.

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