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Game over – verloren in der virtuellen Welt

  • 05.06.2019
  • Autorin Susan Junghans-Knoll
  • Lesezeit3 Min.

Millionen Jugendliche daddeln am Bildschirm. Manche so exzessiv, dass sie sich in der virtuellen Welt verlieren. Die Wohngruppe „Auxilium Reloaded“ holt junge Mediensüchtige zurück in die Realität.

Computerspiele können herrlich sein, Entspannung pur: Screen on – und die Welt ist eine andere.  Doch aus Entspannung wird manchmal Sucht. „Gaming Disorder“ nennt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) exzessives Computer- oder Videospielen und hat es 2018 erstmals in den WHO-Katalog der Krankheiten aufgenommen. Denn immer mehr Jugendliche verdaddeln sich und verlieren den Bezug zur Realität. Je nach Studie gelten von den Millionen Zockern mindesten 120.000 bis 250.000 als pathologische Spieler. Die Dunkelziffer, so schätzen Experten, ist weitaus höher. Victor ist einer von ihnen und lief Gefahr sein Leben zu verspielen. „Manchmal hab‘ ich zehn Stunden am Tag gezockt. Ich konnte einfach nicht aufhören, musste immer weiter,“, erzählt der heute 18-Jährige.

Zwei Hände halten einen Videospiel-Controller.

Seine Droge hieß League of Legends. Auf virtuellen Schlachtfeldern lieferte sich der damals 16-jährige Teenager Gefechte mit Mitspielern, kämpfte gegen Widersacher. Doch je mehr Kontrahenten er am Bildschirm besiegte, je mehr Feinde er bezwang, desto stärker wurden seine persönlichen Dämonen: „Ich war allein, hatte keine Freunde mehr und litt unter permanentem Schlafmangel“, erzählt Victor: „Manchmal vergaß ich sogar zu duschen, mir die Zähne zu putzen. Nur schnell ran an den Computer.“

Schule wurde zur Nebensache

Am Anfang hatte Victor die Schule nur vor Klassenarbeiten gechwänzt. „Ich hatte mich ja nicht vorbereiten können“, sagt Victor. Später ging er gar nicht mehr hin. „Ich verließ morgens nur kurz die Wohnung, damit meine Eltern nichts merkten.“ Erst nach einem Jahr flog sein Falschspiel auf und Victor von der Schule. Hatten seine Eltern denn nie bemerkt, dass ihr Sohn immer nur zuhause war? „Nicht wirklich. Sie haben ja beide am Tag gearbeitet und dachten, dass ich einfach nur der Typ Einzelgänger bin“, erinnert sich Victor.

„Auxilium Reloaded“ – Neustart ins Leben

„Es gibt verschiedene Spiele, die zu Abhängigkeiten führen“, sagt Magnus Hofmann. Er arbeitet als Therapeut in der Wohngruppe „Auxilium Reloaded“, was so viel wie „Neustart“ bedeutet: „Sie haben jedoch wiederkehrende Mechanismen, die sich spiel- und auch genre-übergreifend feststellen lassen. Die Spielzeiten sind lang, die Themen komplex. Da kann man nicht einfach mal zwischendurch aufhören.“ Unregelmäßige Belohnungsmechanismen würden zum Weiterspielen verleiten: „Die Spieler müssen sich immer bereithalten, falls zwischendurch mal etwas Unerwartetes, etwas Nettes passiert.“

Ein Mann steht im Flur. Neben ihm ein Schild: „Exit Way Out“
Einrichtungsleiter Patrick Portmann in den Räumen von „Auxilium Reloaded“.

In fünf Phasen zum Ausstieg

16 junge Menschen zwischen zwölf und 21 Jahren versuchen, mit Unterstützung von Erziehern, Pädagogen und Therapeuten im „Auxilium Reloaded“ wieder in der realen Welt Fuß zu fassen. Sie kommen aus ganz Deutschland und bleiben im Durchschnitt eineinhalb Jahre in der Wohngruppe. In dieser Zeit durchlaufen sie einen Fünf-Phasenplan, um ihren Medienkonsum in den Griff zu bekommen. Dabei geht es nicht nur um komplette Abstinenz, sondern auch um den Erwerb von Medienkompetenz. „Wir schauen uns die Spiele an, finden heraus, mit welchen Tricks sie arbeiten, um die Jugendlichen an den Computer zu fesseln“, sagt Magnus Hofmann. Erarbeitet wird mit den Bewohnern aber auch, was sie in die Medienfalle geführt hat. „Die meisten haben auch in anderen Bereichen Probleme“, weiß der Therapeut: „Sie beschäftigen sich lieber mit Dingen, die Spaß machen, als mit der Realität – etwa der Trennung der Eltern, Mobbingerfahrungen oder Schulschwierigkeiten.“

Gegengewicht zur virtuellen Welt

Therapie, Schule, Hausaufgaben, Wäsche waschen, Essen zubereiten – mit einem fest durchgetakteten Tagesablauf und gemeinsamen Ausflügen ins Kino, mit Sport und Basteln im Fahrradkeller sollen die Jugendlichen wieder Struktur in ihr Leben und ein Gegengewicht zur virtuellen Welt finden. „Unsere Aufgabe ist es, den Jungen und Mädchen den Wiedereinstieg in die Gesellschaft zu ermöglichen“, sagt Magnus Hofmann.

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Ziel von „Auxilium Reloaded“ ist es, den Jugendlichen zu helfen, ein persönliches soziales Netz abseits der virtuellen Welt aufzubauen. Dazu gehört auch, ihr Selbstvertrauen zu stärken und ihnen ein Bewusstsein für die eigenen Stärken und Fähigkeiten zu vermitteln. Wir freuen uns, dass wir das Projekt mit 12.000 Euro fördern konnten!

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