Interview

„Vorlesen schafft ganz viel Nähe“ – Interview mit Rike Drust

Auf ihrem Instagram-Kanal @Kinstabuch stellt Rike Drust regelmäßig lesenswerte Kinderbücher vor. Zum Bundesweiten Vorlesetag erzählt sie im Interview, was ein gutes Kinderbuch für sie ausmacht und was ihr das Vorlesen bedeutet.

Mutmacher
  • 17.11.2022
  • Lesezeit2 Min.

Wie kam es dazu, dass du mit @kinstabuch angefangen hast?

Eigentlich ist die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) schuld. Ich hatte nämlich sehr lange einen Blog, in dem ich über Feministisches, Familienthemen und Kinderbücher geschrieben habe. Aber weil ich keine Lust hatte, den Blog wegen dieser Verordnung auf Links zu ziehen, habe ich einfach mein liebstes Thema — Kinderbücher — mit zu Instagram genommen und stelle dort seitdem schöne Kinder- und Jugendbücher vor.

Nach welchen Kriterien suchst du die Bücher aus, die du auf deinem Account vorstellst?

Ich suche nach schönen, außergewöhnlichen Geschichten, nach besonderen Illustrationen, die mich, beziehungsweise meine Kinder, am Kragen packen und ins Buch ziehen. Ich mag klischeefreie Bücher, ohne dass die Klischees selbst das Thema sind, ich mag, wenn es lustig ist, und es ist mir wichtig, dass Bücher, sofern sie Text enthalten, gut vorzulesen sind. Das können dann Sachbücher über Pilze oder Geschichten über sprechende Spiegel sein, aber genauso auch Märchen oder Activity Books.

Hast du ein Lieblingskinderbuch?

Wenn meine ganze Familie diese Frage beantworten sollte, dann wäre die Antwort ganz einfach: „Wolkenbrot“ von Baek Hee Na. Ein Buch über ein Katzen-Geschwisterpaar, das ein Stück Wolke nach Hause bringt, aus dem die Mutter Brötchen backt. Eine wundervolle Geschichte mit Bildern, die gebaut und dann abfotografiert wurden. Wir haben es unzählige Male gelesen, bestaunt, nachgebacken und konnten danach fast fliegen.

Und daran anschließend: Gibt es ein Buch oder eine Reihe, die du so gar nicht magst?

Bücher zu bashen, finde ich schwierig. Im Grunde genommen ist es super, dass es für alle Geschmäcker so viele Bücher gibt. Dass ich jetzt persönlich nicht bei jedem Entwicklungsschritt von Conny dabei sein muss, ist dabei ja völlig egal. Was mich grundsätzlich nervt und was ich auch nicht vorlese, sind Bücher, die in Klischees gefallen sind. Also mir kommen keine Bücher ins Regal, die behaupten, sie seien nur für Jungs oder Mädchen, zum Beispiel.

Wie schafft es ein Buch sowohl für Erwachsende, die es vorlesen, als auch für Kinder spannend zu sein?

Ich glaube, dass Erwachsene gar nicht so andere Erwartungen an ein Buch haben als Kinder. Spannender Plot, überraschende Wendungen, gute Witze, sowas. Was für mich dann nochmal zusätzlich wichtig ist: Ist das Buch so geschrieben beziehungsweise übersetzt, dass ich es gut vorlesen kann? Wenn ja, ist es das Beste. Dieses Mitgehen, die gemeinsame Freude, das ist so gut. Ich habe mal Zoran Drvenkar eine Dankesmail geschrieben, weil mich mein Sohn beim Vorlesen der Abenteuer von „JanBenMax“ abgeknutscht hat vor Leseglück. 

Welche Trends beobachtest du auf dem Kinderbuchmarkt?

Es ist schade, dass so viele Menschen nur das lesen, was sie irgendwie kennen. Also Bücher, die entweder alt sind oder eben alle Teile sehr langer Serien. Von Verlagsseite wird häufig auf Nummer sicher gegangen. Das führt dazu, dass Bücher über sprechende Tiere, Fußball-Jungs und Detektivmädchen, die für ältere Jungs schwärmen, wenig Platz lassen für die tollen Bücher, die es gibt und die ganz andere Spuren hinterlassen können. Die Verlage und Autor*innen, die solche großartigen Bücher machen haben viel mehr Aufmerksamkeit (und Umsatz) verdient.

Am 18. November ist Bundesweiter Vorlesetag. Was bedeutet dir das Vorlesen?

Weil „Alles“ so kitschig klingt: sehr, sehr, sehr viel. Nicht nur, dass ich immer vorlese, wenn wir krank sind. Auch in guten Zeiten schafft Vorlesen bei uns ganz viel Nähe und Gemeinsamkeit. Meistens liegen wir dabei im Bett, kommen runter und springen gleichzeitig in eine unbekannte Welt, fiebern zusammen mit, lachen an denselben Stellen, gruseln uns und sind jedes Mal wieder von den Socken, wie großartig es ist, gemeinsam zu lesen.

Weitere Infos und Lesetipps gibt es auf der Seite des Bundesweiten Vorlesetags.

Rike Drust ist Autorin, Journalistin und Texterin. Auf ihrem Instagram-Kanal @kinstabuch stellt sie herausragende Kinderbücher vor. Sie selbst hat mehrere Bücher geschrieben, zwei davon für Kinder: „Ein Ei für Aua“ und „Wenn du nein sagst, stirbt ein Kaninchen!“ Rike Drust lebt mit ihrer Familie in Hamburg. 

Folgen Sie Rike Drust auf Instagram.