Hilfe zur Selbsthilfe
Themenbeitrag

Solidarisches Miteinander – Wo sind die Lücken?

  • 09.08.2021
  • Autor Felix Forberg, Katharina Hofmann
  • Lesezeit3 Min.

In unserem Themenspecial „Wie wir helfen: Unsere Förderarbeit im Fokus“ haben wir verschiedene Bereiche vorgestellt, in denen die uns angeschlossene Stiftung Deutsches Hilfswerk soziale Projekte fördert. Hier wollen wir uns dem großen Ganzen widmen. Denn die Förderarbeit des Deutschen Hilfswerks verfolgt ein zentrales Ziel: das solidarische Miteinander zu stärken. Wir haben die Stiftungskolleginnen und -kollegen befragt, wo sie Handlungsbedarf sehen.

Gemäß ihren Fördergrundsätzen will die Stiftung Deutsches Hilfswerk ein verlässlicher Partner sein für diejenigen, die sich für ein solidarisches Miteinander in Deutschland einsetzen. Doch was ist eigentlich unter einem solidarischen Miteinander zu verstehen? Klar ist: Neben Respekt, Toleranz bedeutet ein solidarisches Miteinander auch die Anerkennung von Unterschieden und die Freiheit, diese Unterschiede leben zu können. Entsprechend diesem Leitgedanken fördert die Stiftung Projekte, die gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen, soziale Benachteiligung verhindern oder abbauen, aber auch Selbstbestimmung bei der Wahl des jeweiligen Lebensentwurfs im Blick behalten.

Deutschland ist eines der reichsten Länder der Welt und verfügt als Sozialstaat über ein komplexes System sozialer Hilfeleistungen. Steht hier aber immer der Mensch im Mittelpunkt oder ist es das System, das oftmals stark als standardisiert und ökonomisiert wahrgenommen wird? Wie lässt sich also die Wirksamkeit von Hilfesystemen sicherstellen, sodass ein starkes solidarisches Miteinander entsteht? Nicht immer müssen Innovationen die Antwort auf diese Frage sein. Vielmehr geht es darum, überlegt und abgestimmt auf die individuellen Bedürfnisse von Menschen mit Hilfebedarf zu handeln. Hilfesysteme müssen so ausgerichtet werden, dass sie sich auf dynamische Problemlagen flexibel einstellen können.

Beispiel: Hilfen für Geflüchtete

Manchmal muss es eben auch schnell gehen, zum Beispiel als im Jahr 2015 viele schutzsuchende Menschen nach Europa und vor allem nach Deutschland kamen. Für Deutschland stellte dies eine Herausforderung historischen Ausmaßes dar. Im Oktober 2015 hat das Deutsche Hilfswerk beschlossen, 12 Millionen Euro an Projekte zu geben, die sich der Hilfe für geflüchtete Menschen widmen. Im März 2016 waren bereits 10,2 Millionen Euro für 88 Projekte bereitgestellt. Im Jahr 2016 wurde die Hilfen für Geflüchtete Menschen nochmal mit einem Nothilfe-Fonds aufgestockt.

Schon frühzeitig wurde damit begonnen, den Prozess der Integration in Gang zu bringen. Trotz des großen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Engagements ist die gesamtgesellschaftliche Aufgabe, geflüchtete Menschen zu integrieren, nach wie vor eine Kernherausforderung für zahlreiche Städte und Kommunen. Zahlreiche Institutionen, Verbände, Träger und Ehrenamtliche versuchen diese wichtige Aufgabe als Beteiligte dieses Integrationssystems auf unterschiedlichen Wegen und mit variierenden Methoden zu bewältigen und Hürden im Hilfesystem abzubauen beziehungsweise zu beseitigen. Doch noch immer gibt es Lücken im Hilfesystem: Beispielsweise ist es für viele Geflüchtete nicht unbedingt ein Schritt nach vorne, wenn sie aus einer Gemeinschaftsunterkunft in eine eigene Wohnung ziehen. Oftmals verlieren sie dadurch ein Großteil ihres sozialen Netzes, das sie sich bis dahin aufgebaut haben. Das Projekt „Wohnbrücke“ in Hamburg (Fördersumme: 633.000 Euro) setzt an diesem Punkt an und hilft nicht nur dabei, eine Wohnung zu finden, sondern auch, sich im Stadtteil zurechtzufinden. Es sind Systemlücken wie diese, für die sich die Stiftung im Rahmen ihrer Möglichkeiten als Ansprechpartnerin versteht. Zu beobachten ist auch, dass es nach wie vor großen Bedarf an Hilfen gibt, die den Aspekt der Kinderbetreuung berücksichtigen. Frauen können beispielsweise oftmals nicht an Maßnahmen zur Sprachförderung teilnehmen, weil sie in der Zeit Kinder zu betreuen haben.

Beispiel: Hilfen für Obdachlose

Es wird immer wieder deutlich, dass Akteurinnen und Akteure gute und konkrete Ideen haben, um spezifische und strukturelle Probleme zu lösen. Das betrifft nicht nur Hilfen für Geflüchtete, sondern auch Hilfen für Obdachlose. Für viele wohnungslose Menschen ist ihr Hund ihr ein und alles. Weil ihnen wegen ihres Vierbeiners jedoch der Zugang zu Übernachtungsstätten in der Regel verwehrt wird, sehen sie für sich keine andere Möglichkeit, als die Nacht auf der Straße zu verbringen. Der DRK-Kreisverband Hamburg-Harburg hat dieses Problem erkannt und mit dem Harburg-Huus (Fördersumme: 94.000 Euro) eine Unterkunft geschaffen, in der wohnungslose Menschen gemeinsam mit ihrem Hund unterkommen können.

Ein weiteres Problem wohnungsloser Menschen ist, dass ihnen Duschmöglichkeiten fehlen. Dem Hygienebedürfnis nicht gerecht werden zu können, wirkt sich unmittelbar auf das Selbstwertgefühl aus. Dies führt dazu, dass Termine beim Amt oder beim Arzt nicht wahrgenommen werden und die soziale Isolation weiter voranschreitet. Das Projekt GoBanyo hat hierfür eine mobile Lösung auf Hamburgs Straßen gebracht: Der Duschbus (Fördersumme: 167.000 Euro) fährt dorthin, wo Duschen gebraucht werden.

Strukturelle Probleme gezielt angehen

Durch die Förderung von Projekten wie diesen ermöglicht die Stiftung, vielversprechende Ansätze zu erproben und neue Wege zu beschreiten. Damit ist sie nicht nur ein wichtiger Akteur für die Zivilgesellschaft, sondern auch für die Gestalterinnen und Gestalter staatlicher Hilfesysteme. Denn Projekte, die Hürden abbauen und Lücken im System schließen, zeigen auf, wie staatliche Hilfeangebote angepasst und somit bedarfsorientierter und flexibler aufgestellt werden können. Je weniger Systemlücken es gibt, desto stärker ist unser solidarisches Miteinander.

„Von uns geförderte Projekte“ – Davon berichten wir immer wieder. Aber was bedeutet das eigentlich? In unserem Themenspecial „Wie wir helfen: Unsere Förderarbeit im Fokus“ erklären wir dir, wie die uns angeschlossene Stiftung Deutsches Hilfswerk bundesweit Menschen unterstützt. Als Soziallotterie gelten für uns in der Verwendung der Einnahmen aus dem Losverkauf feste gesetzliche Vorgaben. So gehen mindestens 30 Prozent unserer Einnahmen als sogenannter Zweckertrag an die Stiftung, um damit gemeinnützige Organisationen zu fördern. Im Jahr 2020 konnten wir deutschlandweit 315 Projekte mit über 42,4 Millionen Euro unterstützen.

Hier erfährst du mehr zu den Themenbereichen Selbstbestimmtes Altern, Nachbarschaft, Zukunftschancen für Kinder und Jugendliche, Würde bewahren bei Krankheit und am Lebensende und Solidarisches Miteinander – Wo sind die Lücken?

Übrigens: Mindestens 30 Prozent unserer Einnahmen fließen in Form von Gewinnen zurück an unsere Mitspielerinnen und Mitspieler – in 2020 gewannen 814.797 Menschen in unserer Lotterie (hier geht’s zum Shop). Weitere Informationen zur Lotterie und Mittelverwendung findest du auch in unserem Jahresmagazin (Link).

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