Mutmacher
Interview

Musiktherapie für Menschen mit Demenz: „Musik kann helfen, wenn Worte fehlen“

  • 24.09.2020
  • Autorin Katharina Hofmann
  • Fotografin Dr. Elsa Campbell
  • Lesezeit8 Min.

Dr. Elsa Campbell arbeitet als Musiktherapeutin beim Caritasverband Ettlingen e.V. Im Interview spricht sie darüber, wie Kommunikation durch Musik gelingen kann, wenn Sprache nicht mehr funktioniert. Außerdem erklärt sie, wie Rhythmus, Melodie und Bass die Symptome von Demenzpatientinnen und -patienten lindern – und wie auch Angehörige ihrem erkrankten Familienmitglied mit Musik Gutes tun können.

Deutsche Fernsehlotterie: Frau Dr. Campbell, was ist Musiktherapie für Menschen mit Demenz?

Dr. Elsa Campbell: Musiktherapie verwendet Musik als Werkzeug, um emotionale, psychologische oder physische Probleme zu erleichtern. Denken Sie einmal an Filme: Keiner kommt ohne Musik aus. Im Film vermittelt sie uns, was wir in diesem Moment fühlen sollen. Wenn wir selbst musizieren, drücken wir damit also auch unsere Gefühle aus. Musik kann verwendet werden, wenn einem die Wörter fehlen – etwa, wenn die Demenz so fortgeschritten ist, dass die betroffene Person nicht mehr sprechen kann. Musik gibt uns die Möglichkeit, diese Person wieder „aufzuwecken“ und mit ihr in Kontakt zu treten. Für viele hat Musik eine Bedeutung im Leben und sie ist deshalb auch ein schöner Zugangspunkt zum Leben eines Menschen. Was Musiktherapie nicht ist, ist einfach dasitzen und Musik zu hören.

Deutsche Fernsehlotterie: Welche Arten von Musiktherapie gibt es?

Dr. Elsa Campbell: Generell muss für Musiktherapie ein bestimmtes Szenario erfüllt sein: Es braucht eine Klientin oder einen Klienten, Musik und eine Therapeutin oder einen Therapeuten. Fehlt eine dieser drei Komponenten, handelt es sich nicht mehr um Musiktherapie. Wir untersuchen hier im Projekt zwei Arten: die rezeptive und aktive Musiktherapie. Die aktive Form bedeutet, dass die Person mit Demenz mitsingt oder ein Instrument spielt, oder dass man gemeinsam Lieder komponiert. Rezeptiv bedeutet, dass die Person Musik hört – begleitet von einer Therapeutin oder einem Therapeuten. Wichtig ist, dass es sich um die Lieblingsmusik der Person handelt oder um Stücke, mit denen sie etwas verbindet. Um die Musik herum gibt es dann therapeutische Gespräche, wenn das noch möglich ist. Was bei uns im Projekt und auch in Deutschland ganz neu ist, ist ein ganz bestimmter Teil der rezeptiven Musiktherapie, in dem mit fühlbarer Vibration gearbeitet wird. In ein paar Städten wird dies schon gemacht, allerdings eher mit Klangschüsseln. Wir verwenden dafür elektrische Geräte, etwa Kissen mit eingebauten Lautsprechern. Das Kissen kann man dann zum Beispiel hinter den Nacken oder den Rücken stellen und die betroffene Person spürt die Vibration. Das fühlt sich an wie eine Massage, es kann entspannend oder auch aktivierend sein. Auch hier gilt: Es wird Musik genutzt, die von der Person selbst ausgewählt wird oder einen Bezug zu ihrem Leben hat.

Dr. Elsa Campbell hat an der University of Jyväskylä in Finnland im Fach Musiktherapie promoviert. Im Caritasverband Ettlingen e.V. vergleicht sie als Musiktherapeutin und Wissenschaftlerin derzeit die Auswirkungen von aktiver Musiktherapie plus Pflege, Vibroakustiktherapie plus Pflege und Pflege ohne Musiktherapie auf das Verhalten von Demenzpatientinnen und -patienten und deren psychologischen Symptome. Die Umsetzung der Musiktherapie und deren Evaluation im Seniorenzentrum am Horbach in Ettlingen und dem Seniorenzentrum St. Martin in Rheinstetten wurde durch uns mit 149.808 Euro gefördert. 

Deutsche Fernsehlotterie: Wie kann Musiktherapie Menschen mit Demenz unterstützen?

Dr. Elsa Campbell: Man hat in MRT-Aufnahmen (MRT = Abkürzung für Magnetresonanztomographie; ein Verfahren, das mit Magnetfeldern und Radiowellen Schnittbilder des Körpers erzeugt, Anm. d. Red.) gesehen, wie Musik auf das Gehirn wirkt: Der Gehörbereich wird aktiviert, aber auch andere Bereiche im Gehirn – etwa die, die Bewegungen wie das Spazierengehen kontrollieren. Rhythmus ist eine wichtige Komponente in der Musiktherapie. Es gibt Untersuchungen mit Parkinsonpatientinnen und -patienten, die viel besser laufen konnten, wenn sie Musik hörten. Auch Menschen mit Demenz haben manchmal Schwierigkeiten mit der Koordination und können nicht mehr richtig gehen. Die Musik kann dabei unterstützend wirken.

Sie kann aber auch das Gedächtnis trainieren. Das Sprechen wird im Gehirn an einer anderen Stelle kontrolliert als das Singen. Das bedeutet, wenn man nicht mehr sprechen kann, weil die Demenz zu weit fortgeschritten ist, kann man vielleicht aber noch singen. Wir können nicht in die Vergangenheit gehen und die Demenz rückgängig machen, aber wir können die Lebensqualität von Betroffenen deutlich erhöhen – allein schon, weil es immer Freude bringt, Musik zu hören oder selbst zu machen.

Deutsche Fernsehlotterie: Welche therapeutischen Ziele kann Musiktherapie verfolgen?

Dr. Elsa Campbell: Demenz ist so komplex und es gibt so viele verschiedene Arten und Symptome. Erregtheit und Reizbarkeit können zum Beispiel welche sein. Das macht es oft schwierig für die Pflegekräfte, weil die betroffenen Personen in solchen Momenten niemanden an sich heranlassen. Die Musik kann in diesem Fall entspannend wirken und so zu einer erhöhten Lebensqualität beitragen. Andere Symptome von Demenz können etwa Depressionen oder Angst sein. Auch hier kann Musik wirken: Über sie kann die Therapeutin oder der Therapeut Nähe zur betroffenen Person aufbauen, die Kommunikation wird verbessert – und die Patientin oder der Patient kann auf diesem Weg vielleicht besser äußern, was sie oder er in diesem Moment braucht oder auch nicht braucht. Es gibt auch Menschen mit Demenz, die Apathie zeigen, sich nicht bewegen, nicht sprechen, den Blick nicht mehr heben. Hier kann Musik es schaffen, wenn man die richtige auswählt, wieder Blickkontakt herzustellen – was ein sehr guter erster Schritt ist.

Deutsche Fernsehlotterie: Braucht man musikalische Fähigkeiten, damit Musiktherapie wirkt?

Dr. Elsa Campbell: Nein, jeder Mensch kann davon profitieren – unabhängig davon, ob er musikalisch ist oder nicht. Für Menschen, die früher zum Beispiel Klavier gespielt haben, ist das ein Zugangspunkt, weil es deren Leben direkt betrifft. Aber auch Menschen, die kein Instrument spielen, können mitmachen: Die Stimme ist unser sehr persönliches Instrument, das wir immer dabeihaben. Musik ist eine Kunstform, was bedeutet, dass man hierbei auch kreativ werden kann. Bei uns im Haus gibt es etwa eine Bewohnerin, die gern Wörterrätsel macht. Ich habe dann ein Rätsel für sie erstellt, mit Fragen, die sich um ihr Leben drehen. Wir haben darüber gesprochen und Lieder gesungen, die dazu passen – zum Beispiel solche, die ihr Mann früher im Chor gesungen hat. Das Wichtigste ist, dass die Musiktherapie personalisiert ist und die Person generell Freude an Musik hat, und nicht, ob jemand ein Instrument spielen kann.

Die Wirkung von Musiktherapie ist durch Studien belegt: Sie sorgt für Verbesserungen in den kogniviten (also das Denken und Verstehen betreffende) Leistungen von Menschen mit Demenz – vor allen in der Aufmerksamkeit, in der autobiographischen Erinnerung, in der Wortflüssigkeit und in der Sprache. Außerdem wurde erkannt, dass auch Ruhelosigkeit und Angst durch Musiktherapie reduziert werden können. Wichtig in Bezug auf die Wirkung von Musiktherapie für dementiell erkrankte Menschen ist, dass sie von einer oder einem ausgebildeten Musiktherapeutin*Musiktherapeuten begleitet wird. Für alle Wirkungen von Musiktherapie wurden bei Einzelsitzungen höhere Effekte gemessen, als in Gruppensitzungen. [1]

Kleine und große Erfolge in der musiktherapeutischen Arbeit mit Menschen mit Demenz

Deutsche Fernsehlotterie: Mit manchen Patientinnen und Patienten komponieren Sie auch eigene Stücke. Wie funktioniert das?

Dr. Elsa Campbell: Ich habe einen Klienten, dessen Frau im letzten Jahr verstorben ist. Er liest jeden Tag Gedichte für sie vor. Wir haben gemeinsam ein Gedicht ausgewählt, das er öfter gelesen hat, und ich habe dann eine Melodie dazu geschrieben und es in ein Lied umgewandelt. Das haben wir dann gemeinsam gesungen. Einige Wörter haben wir ausgetauscht, sodass das Lied zu seiner Situation passt. Außerdem werden wir noch eine Strophe schreiben, in der es um sein Leben geht und die Liebe zu seiner Frau – die beiden sind gemeinsam durch die ganze Welt gereist. Das Ganze nehmen wir dann auf und spielen vielleicht noch verschiedene Instrumente dazu.

Deutsche Fernsehlotterie: Was sind für Sie kleine oder große Erfolge bei der musiktherapeutischen Arbeit mit Demenzpatientinnen und -patienten?

Dr. Elsa Campbell: Ich habe es eben schon einmal kurz beschrieben: Es ist unheimlich toll, wenn ein Mensch, der nur noch apathisch ist und gar nicht mehr kommuniziert, wieder in der Lage ist, Augenkontakt herzustellen. Für andere Menschen, die sehr in sich gekehrt sind, ist es schön, wenn sie den Mut fassen und mitspielen oder mitsingen. Ich habe eine Patientin, die kann nicht mehr klar ins Gespräch kommen, weil sie etwas verwirrt ist. Aber musizieren kann sie immer. Sie singt sehr gut und manchmal schafft sie es sogar, Mundharmonika zu spielen. Das ist ein großer Erfolg. Und wenn wir gemeinsam singen, singt sie immer die zweite Stimme.

Deutsche Fernsehlotterie: Das erfordert sicher viel kognitiven Aufwand.

Dr. Elsa Campbell: Genau. Manchmal vergisst sie die Wörter, aber dann singt sie einfach „la, la, la“ weiter. Dass sie nicht aufhört und weitermacht, finde ich beeindruckend. Sie bleibt das ganze Lied hindurch mit mir in Kontakt, obwohl sie nicht mehr richtig versteht, wer ich bin und warum ich da bin. Ansonsten sitzt diese Frau einfach in ihrem Zimmer, kann kein Gespräch halten und schließt manchmal die Tür ab. Aber in der Dreiviertelstunde, die wir zusammen sind, ist sie wirklich präsent. Und die Musik wirkt nach: Die Stimmung, die wir in unserer Therapie kreiert haben, hält auch noch an, wenn ich wieder gegangen bin.

Mit dem Aufruf des Videos erklärst du dich einverstanden, dass deine Daten an YouTube Übermittelt werden und dass du die Datenschutzerklärung gelesen hast.

Akzeptieren

Deutsche Fernsehlotterie: Was kann Musiktherapie für Menschen mit Demenz bewirken, was andere Therapieformen nicht können?

Dr. Elsa Campbell: Ich glaube, Musik spielt eine wichtige Rolle im Leben vieler Menschen und das auch weit in die Vergangenheit hinein. Das können wir uns in der Arbeit mit Menschen mit Demenz zunutze machen – zum Beispiel, indem wir gemeinsam alte Volkslieder spielen oder singen, die die Betroffenen schon als kleine Kinder gelernt haben. Es gibt andere kreative Therapien, wie etwa Kunsttherapie oder Tanz- und Bewegungstherapie, die auch fantastisch sind. Aber für Menschen, die sich vielleicht nicht mehr bewegen können, ist das schwierig. Alles, was man für Musiktherapie braucht, sind letztendlich zwei Ohren. Mehr nicht.

Deutsche Fernsehlotterie: Können pflegende Angehörige die an Demenz erkrankte Person auch zu Hause mit Musik unterstützen – auch wenn es dann keine Musiktherapie im eigentlichen Sinne ist?

Dr. Elsa Campbell: Ich finde es prima, wenn Angehörige Interesse haben, so etwas zu machen. Die Kontaktaufnahme mit einer an Demenz erkrankten Person funktioniert sehr viel besser, wenn sie durch ein Familienmitglied geschieht. Angehörige kennen oft den Musikgeschmack der betroffenen Person und können die richtigen Stücke auswählen. Auch wenn sie keine Therapeuten sind, können sie gemeinsam diese Musik hören oder auch zusammen singen und danach vielleicht sogar noch eine Unterhaltung darüber führen. Demenz bedeutet oft, dass der betroffene Mensch wie hinter einer Fensterscheibe sitzt und nicht mehr gut Kontakt zu anderen aufnehmen kann. Wenn man etwas gemeinsam macht, wie etwa musizieren, bedeutet das, dass die Person in diesem Moment nicht mehr so allein ist. Es ist in diesem Fall keine Therapie, aber das bedeutet nicht, dass es keine therapeutische Wirkung haben kann.

Deutsche Fernsehlotterie: Welche Komponente bringt eine Musiktherapeutin bzw. ein Musiktherapeut hinzu?

Dr. Elsa Campbell: In der Regel ist es so, dass die Menschen, die im Seniorenzentrum wohnen, bereits schwerer an Demenz erkrankt sind als die, die noch zu Hause wohnen. Wut, Einsamkeit, Frust – das sind Emotionen, die bei einer fortschreitenden Demenz häufig auftreten können. Eine Musiktherapeutin bzw. ein Musiktherapeut ist da, um diese Gefühle zu validieren. Denn diese sind in diesem Moment die Wahrheit der betroffenen Person. Die therapeutische Arbeit unterstützt sie und versucht, praktische Lösungen für die Situation zu finden und den betroffenen Personen zu helfen, diese starken Gefühle zu verstehen und zu verarbeiten.

Deutsche Fernsehlotterie: Wie steht es um die Forschung zum Thema Musiktherapie bei Demenzpatientinnen und -patienten in Deutschland?

Dr. Elsa Campbell: In den letzten Jahren hat sich dieser Bereich gut entwickelt. Es gibt Universitäten in Deutschland, die entsprechende Studiengänge anbieten – etwa in Heidelberg oder die Fachhochschule für angewandte Wissenschaften in Würzburg. Da gehen wir schon seit ein paar Jahren Schritte vorwärts. Und das ist auch gut so, denn die Bevölkerung wird immer älter und Demenz wird in Zukunft immer mehr Menschen betreffen. Die rezeptive Art von Musiktherapie mit Vibration, von der ich bereits gesprochen habe, nennt sich Vibroakustiktherapie und wird eher in nordeuropäischen Ländern und den USA praktiziert. Ich habe in diesem Bereich eine Spezialisierung und bin die einzige Person in Deutschland, die in diese Richtung in dieser Art und Weise arbeitet. Deswegen sind unser Projekt und unsere Forschung auch sehr wichtig. Ich finde es großartig, dass die Deutsche Fernsehlotterie so etwas Innovatives unterstützt.

Deutsch Fernsehlotterie: Angenommen eine an Demenz erkrankte Person, die immer viel Freude an Musik hatte, lebt in einem Seniorenheim, in dem keine Musiktherapie angeboten wird. Gibt es Möglichkeiten, wie Angehörige der Person vielleicht trotzdem eine Musiktherapie ermöglichen können?

Dr. Elsa Campbell: Es gibt zum Beispiel die Deutsche Musiktherapeutische Gesellschaft, mit der man Kontakt aufnehmen könnte. Die haben einen Fundus von ausgebildeten Musiktherapeuten und können vermitteln. Man kann aber auch direkt auf die Universitäten, die entsprechende Studiengänge anbieten, zugehen. Die Studierenden müssen alle ein Praktikum machen – wenn sie in der Nähe wohnen, wäre also auch das eine Möglichkeit.

Wir müssen es akzeptieren, dass sich die Wahrheit von einer demenzkranken Person verändert hat, dass sich die Person selbst verändert hat – aber der Mensch immer noch da ist.
Dr. Elsa Campbell

Deutsche Fernsehlotterie: Die diesjährige „Woche der Demenz“ steht unter dem Motto „Wir müssen reden“. Sie arbeiten täglich mit Menschen mit Demenz – liegt Ihnen zu diesem Thema etwas auf dem Herzen, worüber Ihrer Meinung nach mehr gesprochen werden muss?

Dr. Elsa Campbell: Ich glaube das Problem ist, dass man manchmal selbst nicht so genau weiß, wie man mit Menschen mit Demenz in Kontakt kommen soll. Weil oft das Wissen fehlt, was bei dieser Krankheit mit einem Menschen passiert – und damit das Verständnis für Betroffene. Auch für Angehörige, die plötzlich nicht mehr wie gewohnt mit einem geliebten Menschen kommunizieren können, ist das sehr schwierig. Durch all das kann für die Betroffenen eine Einsamkeit entstehen, über die wir sprechen müssen. Und wir müssen es akzeptieren, dass sich die Wahrheit von einer demenzkranken Person verändert hat, dass sich die Person auch selbst verändert hat – aber der Mensch immer noch da ist.

Deutsche Fernsehlotterie: Sie sprechen etwas an, das wir in Gesprächen mit Expertinnen und Experten, Angehörigen und Projekten für Menschen mit Demenz immer wieder hören: Verständnis für Betroffene, auch im Alltag. Im Supermarkt, in der Bank – Betroffene können uns überall begegnen.

Dr. Elsa Campbell: Ja, es ist interessant, wie selten man daran denkt, dass Demenz uns alle betrifft und das in allen Bereichen des Lebens. Ich habe zum Beispiel einmal einen interessanten Vortrag gehört, in dem es um Demenz und Architektur ging. Bei Gebäuden ist es wichtig, wie diese aufgebaut sind. Viele Türen, die alle gleich aussehen, verwirren und verunsichern demenzkranke Menschen. Es gibt so viele Dinge, an die man niemals denken würde, wenn man nicht selbst betroffen ist.

Deutsche Fernsehlotterie: Als Soziallotterie engagieren wir uns unter anderem im Bereich Demenz, fördern Vorhaben, die sich schwerpunktmäßig dem Thema widmen, und sind Akteur der Nationalen Demenzstrategie. Wir haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, das solidarische Miteinander in unserem Land zu stärken. Was verbinden Sie mit dem Begriff Solidarität?

Dr. Elsa Campbell: Was ich ganz wichtig finde im alltäglichen Leben, ist Mitgefühl für andere Menschen. Im letzten Jahrzehnt haben sich so viele Sachen verändert. Es gab – und gibt weiterhin – Krisen, die sich auch auf unser Zusammenleben auswirken. Jede Person bringt ihre eigene Geschichte mit. Bei einer Demenz geht diese Schritt für Schritt verloren. Ich wünsche mir Solidarität und Mitgefühl für all die Menschen, die das erleben müssen – egal, wo sie herkommen.

In Deutschland gelten etwa 1,7 Millionen Menschen als demenzkrank. Als Soziallotterie unterstützen wir viele Projekte, die Menschen mit Demenz aktivieren und mit anderen zusammenbringen – der steigende Hilfebedarf spiegelt sich auch in unseren Projektförderungen wider: Im Jahr 2019 haben wir über die uns angeschlossene Stiftung Deutsches Hilfswerk 2,3 Millionen Euro für 15 Vorhaben, die sich schwerpunktmäßig dem Thema Demenz widmen, zur Verfügung gestellt. 

Wir sind zudem als Akteur der Nationalen Demenzstrategie engagiert und möchten in der „Woche der Demenz“ auf dieses wichtige Thema aufmerksam machen. Vom 21.-27. September 2020 folgen wir hier in unserem Online-Magazin, auf unseren Social Media-Kanälen und in unserer Gewinnzahlenbekanntgabe im TV  dem Motto der Demenz-Woche „Wir müssen reden!“:

Dr. Elsa Campbell erklärt uns in diesem Beitrag unter anderem, wie Menschen, die aufgrund einer fortgeschrittenen Demenz nicht mehr sprechen können, über Musik kommunizieren können. Außerdem erzählt uns Journalistin Peggy Elfmann im Gastbeitrag „Meine Mama, der Alzheimer und ich – Warum Reden Gold ist“ wie sie lernte, über die Demenz ihrer Mutter zu sprechen, und warum sie es allen Angehörigen empfehlen kann. Und wir stellen zwei noch immer aktuelle Artikel aus unserem Archiv in den Fokus: Das Interview mit Prof. Dr. Alexander Kurz „Wir müssen uns ändern, nicht den Menschen mit Demenz“ und die Reportage „Jede*r Einzelne kann ein Zeichen setzen“.

Auf unseren Social Media-Kanälen (InstagramFacebook) stellen wir außerdem das kostenlose Online-Spiel „Was hat Oma?“ vor, das Kindern einen spielerischen Zugang zur Erkrankung ermöglicht.

Weitere Akteure der Nationalen Demenzstrategie sind u.a. das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend, das Bundesministerium für Gesundheit, die Deutschen Alzheimergesellschaft und das Zentrum für Qualität in der Pflege. 

[1] Quellen: Fusar-Poli L, Bieleninik L, Brondino N, Chen X-J, Gold C (2017): The effect of music therapy on cognitive functions in patients with dementia: a systematic review and meta.analysis. Anging & Mental Healt: 1-10; Vasionyte I, Madison G (2013): Musical intervention for patients with dementia: a meta-analysis. Journal of Clinical Nursing 22: 1203-1216; Zhang Y, Cai J, An L, Hui F, Ren T, Ma H, Zhao Q (2017): Does music therapy enhance behavioral and cognitive function in elderly dementia patients? A systematic review and meta-analysis. Ageing Research Reviews 35: 1-11

Weitere spannende Artikel

Interview

Housing First: Wie Berit mit einem Gewinn obdachlosen Menschen helfen würde

Lesezeit 6 Min. Lesezeit
MutmacherMutmacher
Reportage

Wie die Deutsche Muskelschwund-Hilfe Menschen mit Duchenne-Erkrankung hilft

Lesezeit 8 Min. Lesezeit
Hilfe zur SelbsthilfeHilfe zur Selbsthilfe
Themenbeitrag

Warum ein Papa seine Kinder verlassen musste

Lesezeit 4 Min. Lesezeit
MutmacherMutmacher
Interview

Housing First: Wie Berit mit einem Gewinn obdachlosen Menschen helfen würde

Lesezeit 6 Min. Lesezeit
MutmacherMutmacher

Jedes Los hilft

Und alle, die mitspielen, ebenfalls! Werde auch du ein Gewinn für Menschen, die Hilfe brauchen – und unterstütze mit deinem Los soziale Projekte, z.B. für Senior*innen.
Jetzt Los kaufen

Immer bestens informiert:

Hier kannst du kostenlos unseren wöchentlichen Gewinnzahlenticker sowie unseren sechswöchigen Newsletter abonnieren.

Vielen Dank für die Anmeldung

Bitte überprüfen Sie Ihr E-Mail Postfach, wir haben Ihnen eine E-Mail mit einem Bestätigungslink zugeschickt, über den Sie Ihre Anmeldung bestätigen können.

Da ist etwas schief gelaufen

Tut uns leid, leider konnte Ihre Anmeldung nicht übermittelt werden. Bitte versuchen Sie erneut sich für den Newsletter zu registrieren.

Frau Herr Divers
Newsletter mit allen Informationen rund um soziale Projekte, Aktionen, Events, Sonderverlosungen und vielem mehr abonnieren (alle sechs Wochen).

Gewinnzahlenticker mit den aktuellen Gewinnzahlen der Woche abonnieren (wöchentlich)