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Jeder Einzelne kann ein Zeichen setzen

„Wir müssen uns ändern, nicht den Menschen mit Demenz“, sagt Prof. Dr. Alexander Kurz vom Klinikum rechts der Isar im Interview. Das sieht auch die Deutsche Alzheimergesellschaft so – und startet eine ganz besondere Initiative.

Obwohl der Sommer sich bereits verabschiedet hat, ist es warm in dem kleinen Raum ganz am Ende des Flures der Hamburger Alzheimergesellschaft. Hier haben sich heute vier Frauen zwischen 30 und 70 versammelt, die mehr über das Thema Demenz erfahren wollen. „Ich habe früher in einer Bank gearbeitet“, sagt eine ältere Dame mit blonden Haaren. „Damals kam ein Herr fast jeden Tag, um Geld abzuheben. Später habe ich erfahren, dass er dement war.“ Kursleiterin Elke Steinke nickt eifrig. „Genau über solche Situationen wollen wir heute sprechen!“

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"Wir müssen uns ändern, nicht den Menschen mit Demenz."

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„Demenz Partner“ heißt die Aktion, welche die Deutsche Alzheimergesellschaft ins Leben gerufen hat und die von der „Allianz für Menschen mit Demenz“ unterstützt wird. Sie zielt genau auf das ab, was auch Demenz-Experte Prof. Dr. Alexander Kurz im Interview (siehe auch: „Wir müssen uns ändern, nicht den Menschen mit Demenz“) mit der Deutschen Fernsehlotterie deutlich macht: Menschen, die bisher (vermeintlich) nicht mit dem Thema in Berührung gekommen sind, sollen für die Krankheit sensibilisiert werden – und in einem kostenlosen, 90-minütigen Crashkurs über den richtigen Umgang mit Betroffenen aufgeklärt werden.

Jeder kann etwas dazu beitragen, das Menschen mit Demenz nicht aus der Gesellschaft fallen, sondern ein Teil von ihr sind.
Elke Steinke, Hamburger Alzheimergesellschaft

„Menschen mit Demenz sind überall“, sagt Elke Steinke zu Beginn. „Auf dem Land, in der Stadt – und gerade dort leben sehr viele alleine. Deshalb ist jeder Einzelne im Quartier gefragt, nachbarschaftliches Engagement zu zeigen und sich zu kümmern.“ 1,6 Millionen Menschen in Deutschland sind dement. „Das sind aber nur die, bei denen die Krankheit tatsächlich diagnostiziert wurde“, erklärt Steinke. „Die Dunkelziffer ist deutlich höher.“

Demenz braucht dich

Einfühlungsvermögen, Geduld und Respekt

Zunächst gibt sie ihren Kursteilnehmerinnen einen kurzen Überblick: Was heißt „Demenz“ überhaupt? Und wie erkennt man erste Anzeichen? „Nur, weil ein älterer Mensch mal etwas verwirrt ist, heißt das noch nicht, dass er dement ist“, sagt Steinke. „Manchmal sind sie einfach dehydriert – und eben auch alt.“ Halten die Symptome jedoch über sechs Monate an und sind sie so stark ausgeprägt, dass sie Dinge, die vorher leicht von der Hand gingen – wie Socken anziehen oder die Waschmaschine bedienen –, deutlich beeinträchtigen, ist eine Demenz nicht auszuschließen.

Dann kommt sie zur Frage, um die sich heute alles dreht: Wie begegnet man einem Menschen mit Demenz? Die Antwort ist ganz einfach: Mit Einfühlungsvermögen und Respekt – wie jedem anderen Menschen eben auch. Nur, dass manchmal ein bisschen mehr Geduld gefragt ist. Und Verständnis. Denn Menschen mit Demenz nehmen ihre Umwelt auf einmal anders wahr. So wird der dunkle Teppich auf dem hellen Fußboden beispielsweise zu einem tiefen Loch. Kein Wunder, dass ein Dementer also plötzlich stehen bleibt und keinen Schritt weitergehen will! In solchen Situationen unterstützend zu reagieren, und nicht genervt oder mit Unverständnis – das ist es, was sich Elke Steinke von Nachbarn, Freunden, Angehörigen und auch Fremden im Alltag Demenzkranker wünscht.

Info

  • Jeder kann Demenz Partner werden! Auf der Aktionsseite finden sowohl Organisationen, die Kurse anbieten möchten, als auch Menschen, die an einem Kurs teilnehmen möchten, alle wichtigen Infos.
  • Die Initiative ist Partner der „Allianz für Menschen mit Demenz“. Diese ruft 2017 bereits zum dritten Mal die „Woche der Demenz“ aus – diesmal unter dem Motto „Die Vielfalt im Blick“. Auch die Deutsche Fernsehlotterie ist Partner.
  • Insgesamt hat die Fernsehlotterie in den vergangenen vier Jahren deutschlandweit 44 Demenz-Projekte mit 8,2 Millionen Euro unterstützt.

Auch die Selbstwahrnehmung ändert sich. Ist ein Mensch an Alzheimer erkrankt – mit 60 Prozent die häufigste Form von Demenz – „fallen die Bücher des Lebens rückwärts aus dem Regal“, erklärt Steinke sinnbildhaft. Das heißt: Die neuesten Bücher, die letzten Lebensabschnitte, werden zuerst vergessen. „Ein 85-Jähriger, der Demenz hat, kann also fest davon überzeugt sein, dass er 35 ist. Und verhält sich dann eben auch so.“

„Es ist unheimlich wichtig, diese Menschen, trotz der Defizite, die sie zum Beispiel auch in der Sprache zeigen, bis zum Schluss ernst zu nehmen“, betont Steinke. „Sonst ziehen sie sich zurück – und werden letztendlich isoliert.“ Doch wer isoliert wird, ist einsam. Und büßt zum Beispiel sein Sprachvermögen schneller ein, als ein Betroffener mit vielen sozialen Kontakten. „Jeder kann etwas dazu beitragen, das Menschen mit Demenz nicht aus der Gesellschaft fallen, sondern ein Teil von ihr sind“, betont Steinke. „Und dass sie die Hilfe erhalten, die sie brauchen.“ Aufmerksamkeit ist hier das Stichwort: „Die Kassiererin an der Kasse zum Beispiel, die merkt, wenn eine Kundin jeden Tag kommt und Toilettenpapier kauft und sie freundlich darauf anspricht.“

Demenz Partner  Button

Am Ende der 90 Minuten verteilt Steinke kleine „Demenz Partner“-Buttons. So wie die rote Aids-Schleife, die viele Menschen am Revers tragen, setzt auch dieser kleine Button – aber vor allem der Träger – ein Zeichen: gegen Isolation von Menschen mit Demenz und für ein solidarisches Miteinander in unserer Gesellschaft.

Mutmacher

Autorin

Katharina Hofmann

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