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Hilfe schaffen, die Hilfesuchende auch erreicht

Annerose Wallys vom Info- und Freiwilligenzentrum altonavi spricht über Solidarität in der Nachbarschaft, stadtteilübergreifende Hilfe und wie man den Spaß auch in einer so ernsten Situation wie in der Corona-Krise nicht verliert.

Deutsche Fernsehlotterie: Wie ist euer Projekt von der Corona-Pandemie betroffen?

Annerose Wallys: Auch für altonavi bedeutet die Corona-Krise, sich neu zu orientieren. Wir sind in unserem Informationszentrum normalerweise persönlich für Nachbarinnen und Nachbarn da. Wir stehen bei Fragen zur Verfügung, vermitteln Ehrenamt und informieren über Angebote und Nahversorgung in unserem Stadtteil Hamburg-Altona. Das betrifft beispielswiese Themen wie Bildung, Kunst und Kultur, Wohnen, Gesundheit, Pflege und Assistenz, Arbeit und Beschäftigung, Religion und Spiritualität sowie stadtteilnahen Handel und Handwerk. Unsere Arbeit haben wir derzeit ins Homeoffice verlegt – mit all den technischen Hürden, die dabei zu nehmen sind – und sind intensiv in das Thema „Corona-Nachbarschaftshilfe“ eingestiegen.

Eine Frau sitzt am Schreibtisch und telefoniert.

Foto: Annerose Wallys, hier noch bei einer Telefon-Beratung im altonavi-Büro.

Deutsche Fernsehlotterie: (Wie) könnt ihr auf die aktuelle Situation reagieren?

Annerose Wallys: Die Anwohnerinnen und Anwohner beraten wir ab jetzt telefonisch oder per Mail. Außerdem haben wir, gemeinsam mit anderen Hamburger Freiwilligenagenturen, ein Corona-Onlinehilfeportal auf die Beine gestellt. Unter normalen Umständen sind die Agenturen auf bezirklicher Ebene organisiert: Hier werden gute Kontakte zu lokalen Initiativen und Vereinen gepflegt und Freiwillige beraten und vermittelt. Dennoch stehen wir immer im regelmäßigen Austausch – und nun war der Zeitpunkt, auch stadtteilübergreifend zusammenzuarbeiten. Der große Vorteil gegenüber anderen Initiativen, ist die langjährige Kompetenz der Freiwilligenagenturen ins freiwillige Engagement zu vermitteln. Neben dem Corona-Onlinehilfeportal haben wir gemeinsam zusätzlich eine eigene Hotline ins Leben gerufen – Ziel ist es, eine hohe Erreichbarkeit zu garantieren. Gerade für Seniorinnen und Senioren ist ein persönlicher Kontakt und Beratung wichtig.

Deutsche Fernsehlotterie: Wie läuft die Vermittlung von Hilfe ab?

Annerose Wallys: Viele Jüngere sind online und tragen sich über unsere Internetseite ein. Hier gibt es bereits mehr als 1.000 Freiwillige, die bereit sind unter anderem Einkäufe oder Botengänge zu erledigen. Über ein Matching-System per Stadtplan können wir Hilfe direkt aus der Nachbarschaft organisieren. Scheinbar finden bisher aber nur wenige Hilfesuchende den Weg zu uns. Ich hänge daher mit einer Freiwilligen von altonavi in Altona verstärkt Flyer auf, die auf unsere Angebote hinweisen. Vielleicht finden die Seniorinnen und Senioren so zu uns, schließlich sind sie oft wenig online unterwegs – so ist nun unser Ziel, wieder analog über unser Angebot zu berichten.

Je länger die Krise dauert, desto klarer wird vermutlich hilfsbedürftigen Nachbarinnen und Nachbarn, dass man nicht allein darauf zu warten braucht, bis es vorbei ist, sondern sich trauen sollte, um Unterstützung zu bitten.
Annerose Wallys

Deutsche Fernsehlotterie: Wie empfindet ihr die Bereitschaft zur Hilfeleistung?

Annerose Wallys: Erstmal finde ich es klasse, wie gut die Agenturen sich miteinander vernetzt und die Schichten der Hotline untereinander verteilt haben. Das macht richtig Spaß, auch wenn der Anlass nicht schön ist. Bei meiner letzten „Hotline-Schicht“ hatte ich eine etwas andere Vermittlung: Eine alleinerziehende Mutter mit einem autistischen Kind fragte schüchtern an, ob es nicht auch für sie eine Einkaufshilfe geben könnte. Ihr Kind lässt sich während des Einkaufs schlecht bremsen und steckt sich allerhand Dinge in den Mund. Eine Tortur für die Mutter, die es so sehr schwer hat, sich an die Hygiene- und Abstandsregeln in Zeiten von Corona zu halten. Schon der erste Anruf bei einer Frau aus der Nachbarschaft war positiv: „Klar helfe ich in so einer Situation. Ich habe selbst Kinder und kann gut verstehen wie schwer es ist“, sagte sie direkt. Insgesamt erlebe ich eine hohe Bereitschaft in meiner Arbeit und das ist überwältigend zu sehen.

Deutsche Fernsehlotterie: Wie kann man euch oder auch generell Menschen in der Nachbarschaft derzeit am besten unterstützen?

Die Unterstützungsangebote sind da – wie beispielsweise auch die AWO Hamburg, die ebenfalls eine Hotline eingerichtet hat und von großer Hilfsbereitschaft und Solidarität der Hamburgerinnen und Hamburger berichtet – nun geht es darum, die Menschen zu ermutigen, auch Hilfe anzunehmen. Umso länger die Krise dauert, umso klarer wird vermutlich hilfsbedürftigen Nachbarinnen und Nachbarn, dass man nicht allein darauf zu warten braucht, bis es vorbei ist, sondern sich trauen sollte, auch Kontakt aufzunehmen und um Unterstützung zu bitten. Hierfür zu werben, unterstützt schon sehr.

Am Schluss noch einen Blick in die Zukunft: Nach der Corona-Krise wird hoffentlich mit dieser tollen Energie Nachbarschaft und Hilfsbereitschaft auf eine neue und vor allem kooperative Ebene gehoben. Daran arbeiten wir!

Altonavi ist ein Projekt von drei Trägern: der alsterdorf assistenz west, der AWO und dem Stadtteilkulturzentrum HausDrei. Die Mitarbeitenden informieren Anwohnerinnen und Anwohner über Angebote im Stadtteil Hamburg Altona (z.B. Bildung, Kunst und Kultur, Wohnen, Gesundheit, Pflege und Assistenz) und fördert Engagement und Nachbarschaftshilfe. Eine feste Gemeinschaft unter Nachbarinnen und Nachbarn liegt uns als Soziallotterie sehr am Herzen. Deshalb fördern wir seit Jahren viele Projekte und Initiativen, die das Miteinander im Viertel stärken.

Die Arbeit von altonavi unterstützten wir mit 66.974 Euro.

Du lebst in Hamburg und möchtest Helfen? Hier kannst Du dich vernetzen: Corona Nachbarschaftshilfe Hamburg

Ein letzter Blick auf Hamburg

Vor einiger Zeit haben wir zwei Nachbarinnen, die über altonavi zusammengefunden haben, auf einem Spaziergang durch Altona begleitet.

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