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Gärten – Wo Menschen aufblühen

Was hat „Grün“ mit „Pflege“ zu tun? Und wie können Gärten Gemeinschaftsgefühl, Gesundheit und Genesung stärken? Heute starten wir mit einem kleinen Überblick in unsere Themenwoche „Gärten – Wo Menschen aufblühen“.

Gärtnern ist (wieder) im Trend – und das nicht erst, seit das Coronavirus unseren Alltag auf den Kopf gestellt und „Social Distancing“ in unser Leben gebracht hat: 2019 beschäftigte sich jeder vierte Mensch ab 14 Jahren in Deutschland mindestens einmal pro Woche mit Gartenarbeit [1].

Ein Mädchen steht mit einem Blumenstrauß im Garten.

Themenwoche: Gärten – Wo Menschen aufblühen

In unserer ersten Themenwoche möchten auch wir uns dem Garten widmen. Vom 25. bis 29. Mai 2020 werden wir in unserem Online-Magazin und auf unseren Social Media-Kanälen (Facebook, Instagramsoziale Projekte vorstellen, die mit ihren Gärten – vom Demenz- bis zum Gemeinschaftsgarten – Gutes tun. In den letzten zehn Jahren hat die Stiftung Deutsches Hilfswerk, welche die Erlöse der Deutschen Fernsehlotterie an soziale Projekte vergibt, 97 Initiativen gefördert, die mit Gärten Positives bewirken.

Für unsere Themenwoche haben wir Garten-Blogger*innen gefragt, warum die Liebe zum Garten Menschen verbinden kann und welche positiven Effekte ihr Garten auf sie und ihre Communitys hat. Und wir geben Tipps, wie man selbst einen Gemeinschaftsgarten in der eigenen Nachbarschaft anlegen kann, um so das Miteinander zu stärken. Am Ende der Woche wartet dann auch noch eine kleine Überraschung auf dich, mit der du einen Teil dazu beitragen kannst, deine Nachbarschaft bunter zu gestalten – folge uns auf Instagram oder Facebook, um mitzumachen!

Ein Aufenthalt im Grünen tut gut und entspannt – das hat wahrscheinlich fast jeder schon einmal selbst gespürt. Es ist aber auch evolutionär tief in uns verankert (unsere Vorfahren verbrachten einen großen Teil des Tages im Freien) – und diverse Studien bestätigen die erholsame Wirkung der Natur auf den Menschen ebenfalls. So konnte etwa eine Gruppe von Umweltpsychologen aus Wien neben den positiven Effekten auf die Psyche, die der Aufenthalt im Wald auf den Menschen hat, auch positive körperliche Effekte benennen: Stresshormone, Puls und Blutdruck sinken und die Muskeln entspannen sich [2]. Auch in der  Glücksforschung  finden sich Hinweise darauf, wie viel Einfluss die Natur auf unser Gemüt hat. Ein Forscherteam aus Großbritannien fand 2012 heraus, dass Menschen, die in Stadtteilen mit vielen Parks und Grünflächen leben, glücklicher sind als Bewohner von Vierteln mit weniger Grün[3].

Eine weitere Studie untersuchte die Wirkung des Gärtnerns auf die Stimmungslage und das Selbstwertgefühl – mit dem Ergebnis, dass schon 30 Minuten gärtnern pro Woche einen positiven Einfluss auf Stimmung und subjektive Gesundheit haben können [4]. Sie fand außerdem heraus, dass Gärten unter anderem die Naturverbundenheit fördern – die wiederum bedeutend ist für das Erleben von Wohlbefinden im Garten. Die Schlussfolgerung: Die Studie empfiehlt „Gärtnern auf Rezept“. Forscher aus den Niederlanden haben außerdem festgestellt, dass insbesondere bei älteren Menschen schon die private Gartenarbeit einen signifikant positiven Effekt auf Gesundheit und Wohlbefinden zeigt.

Zwei Mädchen, eine ältere und eine jüngere Frau stehen vor einem Blumenbeet

Die Natur an sich kann also unser Wohlbefinden und unsere Lebensqualität steigern. Aber kann sie uns auch heilen oder soziale Beziehungen stärken? Im Zusammenhang mit diesen Fragen hat sich in den letzten Jahren die „Green Care“ (dt.: „Grüne Pflege“) entwickelt. Unter diesem Sammelbegriff werden allgemein Aktivitäten und Interaktionen zwischen Mensch und Natur zusammengefasst, die je nach Kontext gesundheitsfördernde, pädagogische oder soziale Ziele verfolgen. Dazu zählen unter anderem die tiergestützte Intervention (siehe auch: Wie Minischwein Lilly Menschen hilft), soziale Landwirtschaft – und die Gartentherapie.

Therapie im Grünen

Die Gartentherapie blickt zurück auf eine lange Tradition. So verordneten beispielsweise schon die Ärzte im antiken Ägypten psychisch beeinträchtigten Mitgliedern des Königshauses Aufenthalte im Garten. Im Zusammenhang mit therapeutischem Gärtnern hat sich der Begriff „heilsame Gärten“ entwickelt. So einfach wie es klingt ist es jedoch nicht: Der Aufenthalt im Garten kann keine schweren Krankheiten heilen – doch in bestimmten Fällen kann er die Genesung unterstützen, bei der Bewältigung von Stress helfen und zur Prävention beitragen. Therapeutisches Gärtnern, oder auch gartengestützte Intervention, ist also eine begleitende und sehr individuelle Therapie für ganz unterschiedliche Zielgruppen. Entscheidend für den Erfolg ist die Ausführung eines Programmes zur Erreichung klar definierter Ziele (z.B. den Erhalt oder die Verbesserung der feinmotorischen Fähigkeiten älterer Menschen) mit dafür ausgebildetem Personal. Ebenfalls wichtig in diesem Zusammenhang ist es, dass der Therapiegarten den Bedürfnissen der nutzenden Person entspricht und positive Erlebnisse ermöglicht.  

Beispiel: Demenzgarten

Dieser Punkt ist vor allem in der gartengestützten Intervention mit an Demenz erkrankten Menschen von großer Bedeutung: Zwar konnten einige Studien die positiven Effekte – etwa die Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit, des psychischen Zustandes und der sozialen Ansprechbarkeit – aufzeigen [5], gleichzeitig wurden aber auch mögliche negativen Wirkungen benannt. Hierzu zählen zum Beispiel die Frustration darüber, wenn der Garten nicht (selbstbestimmt) besucht werden kann und „Stolpersteine“ besitzt, die es den Nutzerinnen und Nutzer schwer machen.

So nehmen Menschen mit Demenz ihre Umwelt anders wahr. Ein dunkler Teppich auf hellem Fußboden wird beispielsweise als tiefes Loch wahrgenommen – und die betroffene Person bleibt abrupt davor stehen. Beim Anlegen eines Gartens für demenziell Erkrankte ist es also wichtig, dass es keine großen Material- oder Farbwechsel des Bodenbelags gibt, die Unsicherheiten auslösen könnten. Da auch die räumliche Orientierung nachlässt, ist zudem ein Rundweg durch den Garten sinnvoll – so sinkt die Wahrscheinlichkeit, sich zu verlaufen oder durch Orientierungslosigkeit frustriert und verunsichert werden.

Einige Demenzerkrankte sind zudem bewegungseingeschränkt. Damit trotzdem alle mitmachen können, sollten Hochbeete so gestaltet werden, dass Personen auch mit einem Rollstuhl heranfahren können. Neben den positiven Effekten des Gärtnerns auf die Gesundheit älterer Menschen generell – wie etwa die protektive Wirkung zur Erhaltung der geistigen Kapazität, der Verbesserung von Grob- und Feinmotorik oder der Augen-Handkoordination [6] – unterstützt der Aufenthalt im Garten auch die Kommunikation: Über das Wetter, Kräuter und Pflanzen, die vielen noch von früher bekannt sind, können viele Menschen mit Demenz noch gut sprechen und blühen regelrecht auf dabei. 

Beispiel: (Urbane) Gemeinschaftsgärten

Im Garten können Tomaten, Kräuter und Blumen wachsen – aber auch das Vertrauen in sich selbst und die eigenen Fähigkeiten, die Lebensfreude, Wissen und: Gemeinschaft. In den letzten Jahrzehnten haben sich Gemeinschaftsgärten auch in Deutschland etabliert. Auch wenn es sie unter vielen Bezeihnungen und in unterschiedlichen Formen gibt (z.B. Nachbarschaftsgarten, Selbsternteprojekte, Stadtteilgärten), eint sie der Ansatz, dass Menschen jeden Alters, Geschlechts und unabhängig ihres Gesundheitszustandes, ihres kulturellen Hintergrundes oder ihres sozio-ökonomischen Status mitmachen können. Im Gegensatz zu den therapeutischen Gärten, die zielgerichtet heilende, erholende Effekte erreichen wollen, fördern Gemeinschaftsgärten vor allem das Miteinander und das Verständnis füreinander – mit vielen positiven „Nebeneffekten“, wie etwa der generellen Wirkung von Gartenarbeit auf Selbstwert und Gesundheit.

Wie ein interkultureller, inklusiver und generationenübergreifender Gemeinschaftsgarten aussehen kann, erfährst du in unserer Reportage über „zusammen leben e.V.“ (siehe: Ein Garten, in dem Gemeinschaft wächst). In dem vom Verein angelegten Garten in Freiburg begegnen sich Menschen mit Behinderung, geflüchtete Menschen, Zugezogene und Einheimische – dort gedeihen nicht nur viele Pflanzen, sondern auch Freundschaften.

Quellen:[1] Freizeit-Monitor 2019 der BAT-Stiftung Zukunftsfragen[2] Renate Cervinka, et al. Zur Gesundheitswirkung von Waldlandschaften; Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft, Wien, 2014, BFW-Berichte 147.[3] Ian Alcock, Mathew P. White, Benedict W. Wheeler, Lora E. Fleming, Michael H. Depledge. Longitudinal effects on mental health of moving to greener and less green urban areas. Environmental science & technology, American Chemical Society, 2014[4] Wood C. J., Pretty J., Griffin M. A case-control study of the health and well-being benefits of allotment gardening. Journal of Public Health, 2015[5] Kamioka H., Tsutani K., Yamada M., Park H., Okuizumi H., Honda T et al. Effectiveness of horticultural therapy: A Systematic Review of Randomized Controlled Trials. Complementary Therapies in Medicine, 2014[6] Wang D., MacMillan T. The Benefits of Gardening for Older Adults: A Systematic Review of the Literature. Activities, Adapting & Aging, 2013

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