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Engagement in Strumpfhosen

Sie sehen witzig aus, doch sie meinen es ernst: In ihrer Heimat Rathenow bringt eine Gruppe junger Erwachsener in Kostümen Menschen zusammen, um die Welt ein Stück besser zu machen. Wer diese Typen sind? Ist doch klar: Stinknormale Superhelden.

Mit großen Augen betreten die Kinder der Förderschule Spektrum ihre Turnhalle. Was tragen die drei Männer, die sie hier empfangen, für komische Kleidung? Farbige Strumpfhosen – und darüber bunte Unterhosen! Die Kinder kichern. Dann schauen sie sich in der Halle um. Auch die sieht ganz anders aus als sonst. Aus gutem Grund: Heute ist kein normaler Schultag. Heute ist Superheldenschule!

Katetschen Bernd, Panthalong und Rumpelkalle (v.l.n.r.)
Katetschen Bernd, Panthalong und Rumpelkalle (v.l.n.r.)

Die drei lustigen Gestalten begrüßen die rund 30 Kinder, jedes einzelne per Handschlag, und stellen sich als die Stinknormalen Superhelden Panthalong, Rumpelkalle und Katetschen Bernd  vor. Dann geht es auch schon los: „Wie wär’s mit ’nem Applaus?“, fragt Bernd, Kalle und Pantha nicken eifrig. Die Mädchen und Jungen fangen wild an zu klatschen, doch die Helden winken schnell ab: „Nicht für uns! Für euch!“ – und applaudieren strahlend für ihr junges Publikum.

Der Stinknormale Superheld Kalle begrüßt einen Jungen mit einem Handschlag.

Dann wird es spannend. „Bitte seid einmal ganz leise“, flüstert Bernd. „Wir haben zwei Tiere mitgebracht, die sind sehr scheu.“ Kalle und Pantha halten ihre Hände geheimnisvoll über zwei Teller und präsentieren den Kindern dann: Fischstäbchen! Eine Überraschung, die für quietschvergnügte Aufschreie sorgt. „Ihr dürft auch vorsichtig streicheln“, sagt Pantha. Das lassen sich die Mädchen und Jungen nicht zweimal sagen – sie spielen das Spiel gerne mit.

Während Katetschen Bernd spricht, halten Kalle und Panta ihre Hände über einen kleinen Teller.
Ein Junge der Förderschule Spektrum, er sitzt mit anderen Kindern zusammen und lacht.
Ein weiterer Junge der Förderschule Spektrum, der zwischen seinen Mitschülerinnen sitzt und lacht.

So lustig der Vortrag der Stinknormalen Superhelden anfängt, so wichtig und ernst ist doch das Thema. Umweltschutz, das geht alle etwas an! Die Botschaft: Nur gemeinsam können wir Rathenow, Brandenburg, Deutschland, unseren ganzen Planeten lebenswert erhalten.

Von Müllsammelaktionen bis zur Knochenmarkspende

„Unser ‚Warum?‘, der Grund, weshalb wir das machen, sind unsere Kinder“, sagt Bernd, der im wahren Leben natürlich anders heißt. Doch heute ist er als Stinknormaler Superheld hier – und in dieser Rolle geht er voll auf. „Wir sind alle junge Eltern und wollen, dass unsere Kinder in einer lebenswerten Zukunft aufwachsen.“ Das möchten sie ohne Moralkeule erreichen: „Wir sind überzeugt, dass die Sensibilisierung für Themen wie Umweltschutz und soziale Projekte am besten auf unterhaltsame, lustige Weise funktioniert“, so Bernd.

Der Stinknormale Superheld Panthalone zeigt Bilder von Plastikmüll am Strand und im Wasser.
An der Kletterwand der Turnhalle hängt ein Schild mit dem Spruch: Make our planet great again.

Seit sechs Jahren bringen die Stinknormalen Superhelden – neben Bernd, Kalle und Pantha noch rund 15 weitere Erwachsene im Kostüm – Kindern den Umweltschutz näher, starten Müllsammelaktionen, machen auf Themen wie Knochenmarkspende aufmerksam oder sammeln Geld für soziale Projekte. Ihr Motto: Jeder kann ein Stinknormaler Superheld sein. „Egal ob du klein, groß, schnell oder langsam bist“, sagt Kalle und zieht an seinen Hosenträgern. „Ob jung oder alt, Mädchen oder Junge. Oder ob du eine Zahnspange trägst.“

Auf dem Boden steht ein Koffer, der vollgepackt mit bunten Kleidungsstücken ist.

Auch die Kinder der Förderschule Spektrum werden nun zu kleinen Held*innen: Kalle stellt einen großen Koffer in die Mitte der Halle, klappt ihn auf – und kunterbunte Kleidungsstücke platzen heraus! Die jungen Zuhörer stürzen sich auf Stulpen, Badehosen, Capes und Perücken. Und natürlich darf auch die Maske nicht fehlen. Normalerweise würde es jetzt nach draußen gehen, zum Müllsammeln mit den Stinknormalen Superhelden. Doch heute ist es viel zu kalt. Deshalb hat das Trio einen Parcours in der Turnhalle aufgebaut: Im Teamwork müssen die Kinder Hindernisse überwinden, (Kuschel-)Tiere aus Netzen befreien, Plastik und anderen Müll aus einem Planschbecken fischen und am Ende mit einem gewagten Sprung von der Bank mit voller Kraft „Superheldenpower!“ rufen.

Die Kinder der Förderschule Spektrum suchen im Koffer nach passenden Kostümen.
Ein Junge hat ein gelbes Top über seinen Pulli gezogen und trägt auf dem Kopf eine Maske.
Ein Mädchen mit Superheldenmaske.
Ein lachender Junge mit Superheldenmaske.
Ein Junge im Rollstuhl mit Superheldenmaske.
Kalle läuft mit zwei Kindern an der Hand durch den Parcours.
Zwei Kinder versuchen aus einem kleinen Becken, das mit Plastik gefüllt ist, Müll zu fischen.
Die Kinder stehen in einer Gruppe, sie sind verkleidet und recken eine Faust in die Höhe.

Am Rande des Parcours beobachtet René Antoniewicz das bunte Treiben. Der Sonderpädagoge hat die Superheldenschule für die Kinder organisiert. „Wir haben zur Zeit ein Projekt in der Klasse, in dem wir uns mit Müll, Recycling und Wertstoffen beschäftigen“, erzählt er. „Da waren wir auch schon auf der Straße und haben Müll gesammelt. Mir ist schon aufgefallen, dass die Bürger dann gucken und der ein oder andere auch ein anerkennendes Nicken zeigt.“ Auch die Stinknormalen Superhelden erhalten in ihrem Heimatort Anerkennung für ihr Engagement – und nicht nur dort: 2018 sind sie auch für den Deutschen Engagementpreis nominiert, den Dachpreis für bürgerschaftliches Engagement in Deutschland. Beim Publikumsvoting konnten sie bereits den dritten Platz holen. Die offizielle Preisverleihung findet am 5. Dezember in Berlin statt.

Auch die Lehrer sind sich nicht zu schade, durch den Superheldenparcours zu gehen. Eine von ihnen springt von einer Bank, hinter ihr springt auch Katetschen Bernd.

Unendlich viele Möglichkeiten

Für Herrn Antoniewicz und seine Lehrerkolleg*innen heißt es nun: Ran an den Parcours! Denn die Stinknormalen Superhelden drehen den Spieß einfach um, die Kinder dürfen sich setzen und die Erwachsenen müssen nun ran – selbst das Team der Deutschen Fernsehlotterie. Auch das bereitet den jungen Zuschauern wieder viel Freude. Und die Stinknormalen Superhelden machen so noch einmal deutlich, worum es ihnen geht: Jeder kann und darf mitmachen! Und jeder, davon sind die Helden überzeugt, kann in seinem Umfeld Dinge angehen, die ihn stören. „Es gibt unendlich viele Möglichkeiten“, so das Trio.

Ein Kostüm braucht man als Stinknormaler Superheld übrigens nicht zwingend. „Aber es macht definitv mehr Spaß“, sagt Bernd zwinkernd.

Rumpelkalle im Flug.
Panthalone im Flug
Katetschen Bernd

Die Stinknormalen Superhelden: Ausgezeichnet

So viel Engagement für Engagement – das finden nicht nur wir preisverdächtig. Beim Deutschen Engagementpreis 2018 holten die Stinknormalen Superhelden im Publikumsvoting Platz 3. Wir unterstützen den Preis seit Jahren und freuen uns, dass soziale Projekte wie dieses hierdurch die Anerkennung erhalten, die sie verdienen! Mehr über alle Preisträger (ab dem 6. Dezember): deutscher-engagementpreis.de

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