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Eine Spende, die vom Herzen kommt

Zum insgesamt 16. Mal findet auch dieses Jahr am 14. Juni wieder der Weltblutspendetag statt. Unter dem diesjährigen Motto "Sicheres Blut rettet Leben" soll er Menschen motivieren, regelmäßig Blut und Plasma zu spenden. Unser Pressesprecher war für diesen Tag am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) Blut spenden und sprach mit Dr. Sven Peine, Leiter des Instituts für Transfusionsmedizin am UKE über die derzeitige Situation und was ihn am meisten bewegt hat.

Seit ich erwachsen bin, spende ich Blut. Warum ich damit angefangen habe, weiß ich nicht mehr. Es wird vielleicht eine Mixtur aus Neugier, Hilfsbereitschaft und einem „das macht man halt“ im Freundeskreis gewesen sein. Mittlerweile ist es zur Routine und Selbstverständlichkeit geworden und eine von vielen einfachen Möglichkeiten, anderen Menschen zu helfen. Als ich angefangen habe zu spenden, empfand ich den Prozess recht nervenaufreibend, weil ich aufgrund einer Pollenallergie und dem ein oder anderen Auslandsbesuch immer mal wieder abgelehnt wurde. Heute freue ich mich auf den Brief, dass ich wieder spenden darf und weiß, welche Fristen es zu beachten gibt.

  • Blutspende1
    Im strahlenden Hamburger Sonnenschein wirkt der Haupteingang des UKE besonders imposant. Vor der Blutspende sollte man ausreichend trinken und essen. Natürlich alkoholfrei und zudem fettiges Essen vermeiden. Ebenso sollte man vor der Spende nicht rauchen.
  • Blutspende2
    Auch zu Corona-Zeiten finden Blutspenden weiterhin statt und gerade jetzt sind sie wichtig! Zur Sicherheit gelten besondere Regeln. Insgesamt werden im gesamten Prozess und auch in den Außenbereichen des UKE Abstandsregeln und das Tragen von Masken sehr ernst genommen. Ein Krankenhaus ist ein Ort, an dem die Menschen ganz besonders vor Viren geschützt werden müssen.
  • Blutspende3
    Der Eingang zum Blutspendezentrum des UKE. Als eingetragener Spender und Spenderin braucht man nur seinen Ausweis mitbringen. Wer neu spendet, muss sich zudem registrieren. Jeder, der zwischen 18 und 65 ist, kann sich melden.
  • Blutspende13
    Zu Corona-Zeiten bekommt jeder Blutspender eine neue Maske, die er zu tragen hat.
  • Blutspende5
    Am Anfang füllt man einen umfassenden Fragebogen rund um die eigene Gesundheit aus.
  • Blutspende6
    Es folgt ein Gesundheitscheck, bei dem nicht nur der Fragebogen besprochen wird, sondern auch Blutdruck, Puls, Körpertemperatur und Eisengehalt gemessen wird. Wenn die Werte keine Auffälligkeiten zeigen, darf man spenden.
  • Blutspende7
    In der Regel muss man nur wenige Minuten warten. Da der HSV aber zum Blutspenden aufgerufen hat, sind in dieser Woche viele Spender und Spenderinnen da.
  • Blutspende8
    Die eigentliche Blutspende dauert nur ca. 10 Minuten und wird mit sterilem Einwegmaterial durchgeführt. Falls man sich nicht gut fühlt, gibt es zudem ein zuckerhaltiges Getränk und der Kreislauf ist wieder oben. Zudem wird mit einem während der Spende geredet, um auch darauf aufzupassen, dass es jedem gut geht.
  • Blutspende10
    Am Ende erhält man einen vertraulichen Selbstausschluss, falls man doch Bedenken hat. Dieser muss ausgefüllt und abgeben werden, sonst kann die Spende nicht verwendet werden!
  • Blutspende12
    Nach der Blutspende wird empfohlen, sich ca. 20 bis 30 Minuten erholen und etwas Gesundes zu sich nehmen. Beim UKE gibt es dafür einen kleinen Snack (derzeit „to-go“).
„Spitzenmedizin braucht Menschlichkeit!“
Dr. Sven Peine, Leiter des Instituts für Transfusionsmedizin am Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE)

Ein Gespräch mit Dr. Sven Peine, Leiter des Instituts für Transfusionsmedizin am Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE), über die derzeitige Situation, warum gerade jetzt Blut spenden wichtig ist, sein Appell gerade an junge Menschen und was ihn am meisten bewegt hat. Am UKE finden mehr als ein Prozent aller Blutübertragung in Deutschland statt.

Dr. Sven Peine, Leiter des Instituts für Transfusionsmedizin am UKE (Foto: Universitätsklinikum Eppendorf)

Dr. Sven Peine, Leiter des Instituts für Transfusionsmedizin am UKE (Foto: Universitätsklinikum Eppendorf)

Deutsche Fernsehlotterie: Wie ist die derzeitige Situation beim Blutspenden?

Dr. Peine: Wir haben im Moment einen sehr großen Mangel an Blutprodukten in Deutschland. In den letzten drei Wochen haben daher die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, das Paul-Ehrlich-Institut, das Robert-Koch-Institut und die großen DRK-Verbände intensiv darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, Blut zu spenden. Davon profitieren wir, da viele Hamburgerinnen und Hamburger beim Thema Blutspenden an uns denken. Wir benötigen aber auch sehr viele Spenden: Mehr als jede hundertste Blutübertragung, die in Deutschland durchgeführt wird, findet bei uns statt. Wir haben die größte Stammzellentransplantation in Deutschland, fast jede zwölfte Stammzellentransplantation in Deutschland wird am UKE durchgeführt. Das sind Eingriffe, die viel Blut, Blutplättchen und Blutplasma verbrauchen. Es gibt zudem eine große Herzchirurgie, eine große Organtransplantation und ganz viele Patienten, die aufgrund von Unfällen, Kaiserschnitten, Geburten etc. viel Blut brauchen. Am UKE haben wir ca. 25.000 bis 26.000 Blutspenden im Jahr, machen aber ca. 35.000 bis 36.000 Transfusionen in der gleichen Zeit. Ich kann auf die Frage „Brauchen Sie Blutspender?“ immer und jeden Tag mit „ja“ antworten, auch wenn es manchmal so aussieht, als ob wir genug hätten.

Das Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) hat bundesweit die größte Anzahl an Stammzellentransplantationen.

Foto: Das Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) hat bundesweit die größte Stammzellentransplantation

Deutsche Fernsehlotterie: Woher kommt die Mangel-Situation in Deutschland?

Dr. Peine: Das Hauptproblem ist, dass bedingt durch den demografischen Wandel deutlich mehr Spender altersbedingt ausscheiden als junge Spender nachkommen. Blutspenden ist in der Generation, die jetzt 50 und älter ist, mehr verbreitet. Vor 30 Jahren hat man vielleicht in seinem Heimatort damit angefangen und ist dabeigeblieben. Heute ist es schwer, junge Menschen für das Thema zu begeistern. Wenn man nicht in jungen Jahren damit anfängt, ist die Wahrscheinlichkeit, dies in älteren Jahren zu tun, gering. Was es braucht, ist der persönliche Bezug und die persönliche Betroffenheit. Das kann erstens der persönliche Kontakt sein, der spendet und seinem Kumpel sagt, komm doch mal mit. Zweitens, wenn man, wie jetzt bei Corona, ins Nachdenken kommt. Man hat Angst, dass man vielleicht mal Blut braucht und überlegt: Wo ist das Blut, das ich einmal brauche, wer spendet das? Oder drittens: Man hat einen Angehörigen, einen Freund, der eine Bluttransfusion benötigt hat, und kommt darüber in Kontakt mit dem Thema.

Deutsche Fernsehlotterie: Erfahre ich durch eine Blutspende, ob ich Corona habe oder hatte?

Dr. Peine: Corona ist ein Erreger, der nicht über Blutprodukte übertragen wird. Selbst bei den Schwerstkranken auf der Intensivstation haben nicht alle Viren im Blut. Das heißt, aus Empfängerschutz und Spenderschutz gibt es keine Notwendigkeit des Testens.

Wer wird ausgeschlossen?

Die Kriterien zum Blutspenden sind streng, aber zum Schutz der Menschen, die spenden oder das Blut erhalten wichtig: Nach vielen Impfungen und Auslandsreisen darf man nicht spenden, zudem wenn man vor kurzem eine Operation hatte oder bestimmte Medikamente nimmt, auch nach Akupunkturbehandlungen, Piercings und Tätowierungen ist man für einen bestimmten Zeitraum gesperrt, zudem gibt es ein Mindestgewicht, Altersbegrenzungen und Frauen sollten während der Schwangerschaft und nach der Geburt vorübergehend nicht spenden. Menschen mit Herz- und Gefäßkrankheiten, schweren Erkrankungen des Zentralnervensystems oder klinisch relevanten Blutgerinnungsstörungen dürfen gar nicht spenden. Zudem gibt es weitere Kriterien, die im Fragebogen bei der Blutspende aufgeführt werden.

Deutsche Fernsehlotterie: Am 14. Juni ist Weltblutspendetag. Planen Sie etwas an diesem Tag?

Dr. Peine: Wir haben diese Woche auch im Hinblick auf den Weltblutspendetag mit dem HSV zum Blut spenden aufgerufen. Das UKE hat zudem seit Ende März einen Instagram-Account, da werden wir die Tage auch auf das Blutspenden hinweisen.

Deutsche Fernsehlotterie: Warum ist Blutspenden wichtig?

Dr. Peine: Weil es sonst keiner macht, wenn man nicht selbst spendet. Wir können Blut nicht künstlich herstellen: Wir können es nicht in großen Bioreaktoren züchten. Theoretisch ist es vielleicht in 30 Jahren machbar, aber aktuell gibt es keine Alternative zur gespendeten Blutkonserve.

Deutsche Fernsehlotterie: Was ist bei einer Blutspende zu beachten?

Dr. Peine: Es ist ganz banal, aber bringen Sie bitte Ihren Personalausweis mit. Ohne ein gültiges Lichtbild-Dokument dürfen wir keine Spende durchführen und müssen die Menschen wieder nach Hause schicken. Eine Bahncard bspw. reicht nicht. Ansonsten kommen Sie, wenn Sie sich gesund fühlen, kommen Sie nicht auf nüchternen Magen und trinken sie ganz viel. Wir haben immer wieder Spender, die es vom Arzt kennen, nüchtern kommen, das ist bei uns genau andersrum.

“Nicht nüchtern kommen, ordentlich trinken, Zeit mitbringen und ein Personalausweis.”
Dr. Sven Peine
Mit hochmodernen Geräten wird am UKE Blut abgenommen. Blutspenden gilt in Deutschland als sicher.

Foto: Mit hochmodernen Geräten wird am UKE Blut abgenommen. Blutspenden gilt in Deutschland als sicher.

Deutsche Fernsehlotterie: Was ist die schönste Geschichte, die Sie beim Blutspenden erlebt haben?

Dr. Peine: Es gibt viele nette Geschichten, die man hier so erlebt. Als ich in der medizinischen Hochschule in der Blutbank gearbeitet habe, hat sich ein älterer Herr, ein ehemaliger Oberstudienrat, mit einem ganz großartigen handgeschriebenen Brief bei uns gemeldet. Er wurde einige Monate vorher bei uns operiert und hat vier Blutkonserven bekommen. Da er 73 war, durfte er selbst keinen halben Liter Blut mehr spenden. Er empfand eine Schuld und wollte dies abstottern. Er wollte also alle paar Monate vorbeikommen und immer 100 ML Blut spenden, um das zurück zu zahlen. Ich habe ihm ausführlich geantwortet und wir sind uns dann einig geworden, dass er uns ganz großartig hilft, wenn er bei seinen Kindern und Enkeln für die Blutspende wirbt. Aber ich fand es so rührend, weil es ihm so wichtig war, etwas zurückzugeben.

Deutsche Fernsehlotterie: Zum Abschluss, was möchten Sie derzeitigen und künftigen Blutspenderinnen und Blutspendern sagen?

Dr. Peine: Wir freuen uns über jeden Einzelnen und das ist auch etwas, was in der Größe der Zahlen etwas verloren geht und manchmal das Gefühl erzeugt, ich mache doch nicht den Unterschied. Was mir alle Kollegen berichten und das kann man gar nicht genug wertschätzen: Wenn wir nicht freiwillige Blutspender hätten, dann kann bei uns kein Chirurg einen großen Tumor rausnehmen, kein Onkologe eine Chemotherapie durchführen, kein Gynäkologe einen komplizierten Kaiserschnitt machen. Und weil wir Blut nicht künstlich herstellen können, ist meine Botschaft an alle Menschen: Spitzenmedizin braucht Menschlichkeit!

Wusstet ihr, dass…

… allein das UKE in Hamburg jeden Monat 3.000 Blutspenden benötigt?

… es einen Spendenpegel beim UKE gibt, der zeigt, wie viele Spenden noch benötigt werden?

… bei einer Vollblutspende ca. 500 Milliliter Blut entnommen werden? Zudem gibt es eine Plasmaspende, bei dem je nach Körpergewicht ab 650 ml Plasma entnommen werden und eine Thrombozytenspende.

… Spenden der Blutgruppe Null und dem Rhesusfaktor negativ als Universalspenden gelten? Das Blut ist mit allen Blutgruppen kompatibel.

… 70% des Bedarfs an Blutspenden vom DRK organisiert wird?

… Männer sechs Mal im Jahr Blut spenden dürfen, aber Frauen nur vier Mal? Hintergrund ist, dass der weibliche Körper durch Blutverlust Eisen verliert und mehr Zeit benötigt, den Eisenvorrat wiederaufzubauen.

… das meiste Blut zur Behandlung von Krebspatienten benötigt wird? Eine umfassende Übersicht gibt es beim DRK.

… euer Blut nach jeder Spende getestet wird? Falls ein Blutwert nicht stimmt, oder Krankheitserreger nachgewiesen werden, erhaltet ihr eine Information!

… ein Großteil der Menschen in Deutschland mindestens einmal auf das Blut anderer angewiesen ist? 

… laut Angabe des DRK nur etwas mehr als 2% der Personen, die Blut spenden können, es auch tun?

Autor

Daniel Kroll

Fotograf

Daniel Kroll

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