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Der Kampf gegen die Einsamkeit

Vor allem ältere und alleinlebende Menschen beschleicht es oft – das Gefühl der Einsamkeit. Forscher sagen voraus: Sie wird „Volkskrankheit Nr. 1“ in Deutschland. Doch die Bevölkerung wehrt sich dagegen! Mit vielen nachbarschaftlichen Projekten, die Menschen zusammenbringen. Eines davon ist das Netzwerk Norderstedt in Schleswig-Holstein (kurz: NeNo), das auch beim Deutschen Nachbarschaftspreis 2018 mitmacht.

„Nachbarschaft ist nicht mehr gewachsen und bekannt wie früher“, sagt Bärbel Joppien. „Menschen erleben sich immer öfter ‚unter Fremden‘ in ihrer Straße.“ Die 59-Jährige weiß, wovon sie spricht: Sie koordiniert das Projekt Netzwerk Norderstedt (NeNo), das Nachbar*innen darin unterstützt, ihr Viertel lebendig zu gestalten und ein neues Vertrauen untereinander aufzubauen – ein Netzwerk, auf das man sich verlassen kann. Und ein preisverdächtiges? Ihr Konzept „Nachbarn für Nachbarn“ reichte Bärbel Joppien beim Deutschen Nachbarschaftspreis 2018 ein.

Nachbarn für Nachbarn: Wie alles begann

2011 versammelte sich in Norderstedt eine Gruppe lokaler Sozialeinrichtungen, um sich der Frage zu widmen: Wie können wir den negativen Auswirkungen des demografischen Wandels etwas entgegensetzen? Welche Ideen haben wir, unsere Stadt seniorenfreundlicher zu gestalten? Schnell wurde klar: Die Antwort kann nur gefunden werden, wenn auch die Menschen befragt werden, die das Thema direkt betrifft! Aus der Zukunftswerkstatt, die daraufhin ins Leben gerufen wurde, gingen schließlich die ersten „Kümmerer*innen“ hervor: Ehrenamtlich Engagierte, die in ihrem Stadtteil „Nachbarn für Nachbarn“-Gruppen aufbauen und so für direkte Begegnungen in der Nachbarschaft sorgen. Unterstützt werden sie dabei nicht nur von Projektkoordinatorin Bärbel Joppien, sondern von einem ganzen Trägerkreis aus Norderstedter Institutionen und der Stadt, die immer wieder dabei hilft, neue Gruppeneröffnungen bekannt zu machen und für das Netzwerk zu sensibilisieren.

Über NeNo – Netzwerk Norderstedt

  • Das Konzept von NeNo ist einfach: Ehrenamtliche „Kümmerer*innen“ bauen in ihrem Viertel eine Gruppe auf, die sich mindestens einmal im Monat zum Austausch und Beisammensein trifft. Daraus entstehen dann oft weitere Treffen, die von den Teilnehmern selbst geplant und mit Hilfe des Kümmerers organisiert werden – von Spielerunden über gemeinsame Fahrradtouren bis hin zum Besuch kultureller Veranstaltungen.
  • Gefördert wird aber auch die nachbarschaftliche Unterstützung im Kleinen: Wer seine Nachbarn kennt, gießt auch gern einmal die Blumen oder geht mit dem Hund spazieren. So entsteht am Ende eine lebendige Nachbarschaft, in der jeder gesehen wird – und keiner alleine ist.
  • Nachbarschaften stärken, sodass alle etwas davon haben, ist auch uns ein großes Anliegen. Wir freuen uns, dass wir die Arbeit von Bärbel Joppien und das Netzwerk Norderstedt mit 76.000 Euro fördern konnten.

Inzwischen gibt es elf „Nachbarn für Nachbarn“-Gruppen – längst nicht mehr nur für die älteren Menschen. „Eine spricht beispielsweise mit ihren Anfangszeiten, die für Berufstätige passen, auch jüngere Nachbarn an“, erzählt Bärbel Joppien. Und eine neue, stadtteilübergreifende Gruppe nennt sich „NeNo mit und ohne Handicap“. Die Gründerin und Kümmererin hat selbst eine Sehbehinderung und möchte Menschen mit einem ähnlichen Schicksal einen Gesprächsraum anbieten.

Für alle Gruppen gilt: Einmal im Monat trifft man sich, um sich kennenzulernen, auszutauschen und gleiche Interessen zu finden. Daraus entstehen dann die Interessengruppen. „Die einen fahren gemeinsam Rad, die anderen spielen Boule oder sprechen Plattdeutsch“, so Joppien. „Die Auswahl ist bunt, da ist für jeden etwas dabei.“ Das langfristige Ziel ist, dass sich unter den Teilnehmer*innen durch das Gemeinschaftserleben ein starkes Netzwerk entwickelt. Und das funktioniert prima: „Es gibt Gruppen, da besuchen sich Nachbar*innen zum Beispiel gegenseitig, wenn mal einer krank ist. Und wenn mal jemand nicht zum Treffen erscheint, dann wird sich nach ihm erkundigt.“

Hilfe – auch für „Fremde“

NeNo ist vor allem für die Menschen im Viertel da, die sich einer Gruppe angeschlossen haben. Vereinzelt wurden auch Nachbar*innen unterstützt, die keiner NeNo Gruppe angehören. „Es gab da einen Herrn, der musste ins Krankenhaus“, erinnert sich Joppien. „Er war ganz verzweifelt, weil er niemanden fand, der sich um seinen Hund kümmern konnte. Innerhalb von zwei Tagen konnten wir eine Betreuung für ihn organisieren.“ Vertrauen, auch von Fremden – das zeichnet das Netzwerk Norderstedt aus.

Von ihrer Vorgängerin erhielt Bärbel Joppien auch den Hinweis auf den Deutschen Nachbarschaftspreis. „Viele Stunden haben wir damit verbracht, unsere Bewerbung zu formulieren“, erzählt sie. „Das war ein spannender Prozess. Denn so musste ich unser Projekt noch einmal aus der Sicht einer Person betrachten, die NeNo gar nicht kennt. Die Frage erörtern: Was macht uns aus? Und dieser neue, etwas andere Blick darauf hat mir noch einmal die Bestätigung gegeben, dass wir da schon viele tolle Dinge auf die Beine gestellt haben.“

In Teil 2 unserer Reihe zum Deutschen Nachbarschaftspreis erzählt eine Nachbarin, wie NeNo ihr in schweren Zeiten Kraft gegeben hat – und wir erfahren, ob es für das Nachbarschaftsnetzwerk für eine Nominierung gereicht hat!

Teil 2:  „Danke, NeNo!“ – Eine Nachbarin berichtet

Über den Deutschen Nachbarschaftspreis

  • Auch 2018 verleiht die nebenan.de Stiftung den mit mehr als 50.000 Euro dotierten Preis an Nachbarschaftsprojekte mit Vorbildcharakter – und wir sind erneut als Partner mit an Bord! Die Verleihung findet am Mittwoch, den 5. September in Berlin statt.
  • Der Preis ist eine bundesweite Auszeichnung für all diejenigen, die sich vielerorts als Nachbar für Nachbarn einsetzen, das Miteinander und die Gemeinschaft stärken. Das Engagement jedes Einzelnen leistet dabei im Kleinen einen großen und wichtigen Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserem Land. Engagement, das ausgezeichnet gehört!
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