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Deutscher Nachbarschaftspreis 2018: „Danke, NeNo!“ – Eine Nachbarin berichtet

Ingrid ist 79 Jahre alt und stark sehbehindert. Als sie mit ihrem Mann Norbert vor neun Jahren nach Norderstedt zog, kannten sie nur wenige in der direkten Nachbarschaft. Dann wurde das Netzwerk Norderstedt (NeNo) gegründet – und alles war plötzlich anders.

Vier Jahre lang lebten Ingrid und ihr Mann bereits in Norderstedt, doch ein enges nachbarschaftliches Verhältnis gab es im neuen Umfeld noch nicht. Die passende Gelegenheit, Freunde zu finden? Hatte sich nie so richtig ergeben. „Als dann 2013 ein Schreiben von der Stadt kam, dass in Norderstedt Mitte eine NeNo-Gruppe gegründet werden sollte, haben wir uns gedacht, das wäre doch eine Gelegenheit, ein paar Nachbar*innen kennenzulernen“, erinnert sich die 79-Jährige.

Das erste Treffen beeindruckte die beiden: „Es waren vielen Nachbar*innen anwesend, jeder sollte sagen oder aufschreiben, welche Interessen er hat und was er sich unter Nachbarschaftshilfe vorstellt.“ Ihr Mann Norbert wünschte sich eine Plattdeutschgruppe oder einen Chor, in dem beide gemeinsam singen und Spaß haben konnten. Ingrid schrieb auf, dass sie sich über eine Nordic Walking Gruppe freuen würde. All diese Gruppen wurden tatsächlich gegründet. „Dadurch haben wir viele Nachbar*innen kennengelernt und Freunde gefunden“, so die überzeugte NeNo Teilnehmerin.

Über NeNo

  • Das Konzept von NeNo ist einfach: Ehrenamtliche „Kümmerer*innen“ bauen in ihrem Viertel eine Gruppe auf, die sich mindestens einmal im Monat zum Austausch und Beisammensein trifft. Daraus entstehen dann oft weitere Treffen, die von den Teilnehmern selbst geplant und mit Hilfe des Kümmerers organisiert werden – von Spielerunden über gemeinsame Fahrradtouren bis hin zum Besuch kultureller Veranstaltungen.
  • Gefördert wird aber auch die nachbarschaftliche Unterstützung im Kleinen: Wer seine Nachbarn kennt, gießt auch gern einmal die Blumen oder geht mit dem Hund spazieren. So entsteht am Ende eine lebendige Nachbarschaft, in der jeder gesehen wird – und keiner alleine ist.
  • Nachbarschaften stärken, sodass alle etwas davon haben, ist auch uns ein großes Anliegen. Wir freuen uns, dass wir die Arbeit von Bärbel Joppien und das Netzwerk Norderstedt mit 76.000 Euro fördern konnten.

Als Norbert im März 2016 ganz plötzlich verstarb, brach für Ingrid eine Welt zusammen. „Ich fiel in ein tiefes Loch“, sagt sie. „Ich glaube nicht, dass ich ohne meine Freunde von NeNo alles so gut überstanden hätte!“

Wenn sie Hilfe braucht, z.B. bei schriftlichen Dingen, ist immer jemand zur Stelle. Ihre Freunde rufen oft an, sie gehen gemeinsam spazieren oder treffen sich auf einen Kaffee. „Ich brauche nur zu telefonieren und es findet sich jemand, der Zeit für mich hat.“

Ihre Dankbarkeit brachte Ingrid in einem offenen Brief an das Netzwerk Norderstedt zum Ausdruck.

Die Nominierung für den Deutschen Nachbarschaftspreis: Eine wichtige Anerkennung für alle, die sich engagieren!

Dankbar ist auch Bärbel Joppien, die das Nachbarschaftsnetzwerk koordiniert: „Die Menschen hier leisten ein großartiges Engagement“, sagt sie. „Nicht nur die Kümmerer*innen, die die Gruppen organisieren. Es sind alle Teilnehmer*innen, die unser Projekt, unsere Idee mit Leben füllen.“

Dass NeNo für den Deutschen Nachbarschaftspreis 2018 nominiert ist, erfuhr Bärbel Joppien im Urlaub, mitten in der Natur. „Als ich von einem kleinen Spaziergang zurückkam, erzählte mir mein Sohn, der sein Handy dabei hatte, von der Nominierung“, erinnert sie sich. „Ich konnte es erst gar nicht glauben!“

Als Koordinatorin des Projekts unterstützt sie die Kümmerer*innen, moderiert, wenn es einmal Unstimmigkeiten in den Gruppen gibt und ist Ansprechpartnerin, wenn z.B. eine Person in einer schwierigen persönlichen Situation steckt. Viermal im Jahr trifft sie sich mit allen Kümmerer*innen, tauscht sich mit ihnen aus und trägt wichtige Informationen aus den Arbeitskreisen in die Gruppen und Ideen aus einzelnen Gruppen in andere Stadtteile und entwickelt neue Projekte.

„Ich bin eigentlich nur ein Handlanger“, sagt Joppien lachend. „Den Großteil erledigen die Menschen in den Gruppen. Und für diese engagierten Nachbar*innen freut es mich ganz besonders, dass unser Projekt für den Deutschen Nachbarschaftspreis nominiert ist! Es ist ein großer Gewinn und eine wichtige Anerkennung für uns, dass wir dabei sind – ob wir nun ausgezeichnet werden oder nicht.“

In Teil 3 unserer Reihe zum Deutschen Nachbarschaftspreis begleiten wir Bärbel Joppien zur großen Preisverleihung am 5. September 2018 in Berlin, lassen uns von den anderen tollen Projekten inspirieren – und geben einen Ausblick in die Zukunft.

Teil 3: Ein Sieg für Chancengleichheit, Demokratie und Begegnung – und ein Blick in die Zukunft

Teil 1: Der Kampf gegen die Einsamkeit

Über den Deutschen Nachbarschaftspreis

  • Auch 2018 verleiht die nebenan.de Stiftung den mit mehr als 50.000 Euro dotierten Preis an Nachbarschaftsprojekte mit Vorbildcharakter. Die Verleihung findet am Mittwoch, den 5. September in Berlin statt.
  • Der Preis ist eine bundesweite Auszeichnung für all diejenigen, die sich vielerorts als Nachbar für Nachbarn einsetzen, das Miteinander und die Gemeinschaft stärken. Das Engagement jedes Einzelnen leistet dabei im Kleinen einen großen und wichtigen Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserem Land. Engagement, das ausgezeichnet gehört!
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