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Aktueller Armuts- und Reichtumsbericht

Der Fünfte Armuts- und Reichtumsbericht – gestern wurde er von der Bundesregierung veröffentlicht.

Der Bericht analysiert Lebenslagen in Deutschland wie die Erwerbstätigkeit, die Einkommens- und Bildungssituation, die Gesundheit und das Wohnen für Menschen unterschiedlicher Lebensphasen.

Weiterhin große Schere zwischen Arm und Reich

Der Bericht zeigt, dass es weiterhin eine Ungleichheit bei den Vermögen gibt: Die reichsten 10 Prozent der Haushalte besitzen mehr als die Hälfte des gesamten Netto-Vermögens. Die untere Hälfte nur 1 Prozent. Und auch der wirtschaftliche Aufschwung kommt längst nicht bei allen an. Die unteren 40 Prozent der Beschäftigten haben 2015 weniger verdient als Mitte der 90er Jahre.

Gesteigertes Volkseinkommen

Das Volkseinkommen ist demnach deutlich gestiegen. Seit 2005 sind die Arbeitnehmer-entgelte stärker gestiegen als die Gewinneinkommen. Auch die Reallöhne sind spürbar gestiegen, zuletzt vor allem für gering Qualifizierte. Betrachtet man die Verteilung der Einkommen insgesamt, werden bestehende Ungleichheiten in Deutschland durch Steuern und Transfers erheblich abgemildert.Der Bevölkerungsanteil im mittleren Einkommensbereich ist im Berichtszeitraum stabil geblieben; der Anteil derjenigen, die wegen eines vergleichsweise niedrigen Einkommens als armutsgefährdet gelten, ist in den vergangenen Jahren etwa gleich geblieben und hat sich zuletzt allenfalls leicht erhöht.

Zu Beginn des letzten Jahrzehnts waren die Einkommen allerdings noch deutlich gleichmäßiger verteilt als heute. Die Ungleichheit der Vermögen ist in Deutschland im internationalen Vergleich anhaltend hoch.

Über 2 Millionen Kinder und Jugendliche auf staatliche Hilfe angewiesen

In Deutschland sind erstmals in diesem Jahrzehnt mehr als zwei Millionen Minderjährige auf staatliche Grundsicherung angewiesen. Ende 2016 lebten demnach 2 003 805 unter-18-Jährige in sogenannten Bedarfsgemeinschaften, also in Familien, die Hartz IV beziehen. Trotz des anhaltenden Aufschwungs waren das 3,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Sozialministerin zeichnet positive Bilanz

Insgesamt zeichnet Bundessozialministerin Andrea Nahles eine positive Entwicklung der sozialen Lage in Deutschland: Ökonomische Stabilität und kontinuierliches Wirtschaftswachstum haben zur höchsten Beschäftigtenzahl und niedrigsten Arbeitslosigkeit seit der deutschen Einheit beigetragen.

Kritik am Bericht

Jedoch: Der Bericht wird von Experten und der Opposition nicht unkritisch gesehen. Es soll in Teilen geschönt, einige Passagen sollen entfernt worden sein. So bemängelte der Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge, der Bericht büße durch die Streichungen seine aufklärerische gesellschaftspolitische Rolle ein. „Dass die sich vertiefende Kluft zwischen Arm und Reich nicht bloß den gesellschaftlichen Zusammenhalt bedroht, sondern auch eine Gefahr für die Demokratie bildet, will ein maßgeblicher Teil der Regierungskoalition gar nicht hören“, so der Armuts-Experte zur NRZ.

Die 47-seitige Kurzfassung des Berichtes gibt es hier zum Download.

Gestern wurde der aktuelle Armutsbericht der Bundesregierung veröffentlicht.
Gestern wurde der aktuelle Armutsbericht der Bundesregierung veröffentlicht.